Das Sternentor 1: Der rote Nebel
Rolle Sprecher
Erzähler…Neumann, Jürgen
Commander Perkins…Meincke, Ernst
Major Peter Hoffmann…Böll, Nicolas
Ralph Common…Bahro, Wolfgang
Cindy Common…Eckhold, Karin
Professor Common…Jülich, Rolf
Oberst Jason…Kästner, Thomas
George…Draeger, Sascha
Ester Breadshaw…Werfel, Pia
Alter…Lüdke, Günther
Studio Maritim 2002 Dauer: ca. 62 Minuten
Inhalt: Aus unbekannten Gründen erscheint ein mysteriöser roter Nebel, der sich langsam auf dem gesamten Planeten Erde ausbreitet. Alle Menschen, die mit dem Nebel in Kontakt kommen, verschwinden spurlos, ganze Städte werden entvölkert. Commander Perkins und seine Crew fliegen mit der „Spaceboy“ (Was soll DAS denn für ein Name sein???) zur Mondbasis Delta 4 (gar nicht Alpha 1? Ich bin enttäuscht), da man dort mithilfe des Dimensionsbrechers fremde Welten bereisen kann (man erhofft sich quasi die Ursprungswelt des Nebels zu finden). Tatsächlich scheint es so, als wäre der Nebel mittels Dimensionsbrecher von einer anderen Welt auf die Erde gekommen. Diese Welt, der man den originellen Namen „Empty“ gegeben hat, ist anscheinend völlig entvölkert worden. Man schickt Commander Perkins gemeinsam mit Major Hoffmann und dem telepathisch begabten Jungen Ralph Common los, damit sie auf Empty nach Antworten suchen…
Kommentar: Studio Maritim und ich, wir zwei werden wohl nicht mehr warm miteinander. Nach dem erlesen beschissenen „Verschollen im Spukhaus“ kommt jetzt von diesem Label also die neue „Commander Perkins“-Reihe und ich kann nur sagen: Hände weg! Während die alte Serie dem Vernehmen nach (ich selbst kenne sie nicht) absoluter Trashkult sein soll, hat dieses Möchtegernhörspiel schlichtweg gar nichts zu bieten. Dieses Teil möchte ja wirklich ganz verzweifelt groß und episch sein. Episch sind hier aber nur drei Dinge:
1. Der schädelsprengende Schwachsinn, der sich in den Dialogen breit macht.
2. Die Langeweile, die wahrhaft epochale Ausmaße erreicht.
3. Die Logiklöcher, die so groß sind, dass man die „Spaceboy“ (über den Namen komme ich wohl nie hinweg) locker im Rückwärtsgang durchfliegen könnte.
Im folgenden beschreibe ich euch mal ein paar meiner „Lieblingsstellen“: Eine Zusammenfassung des Aufenthaltes auf „Empty“: Kaum sind unsere Helden angekommen, hat Ralph natürlich nichts besseres zu tun, als sich von den dortigen Überlebenden (die bis auf diverse Größenunterschiede natürlich genauso aussehen wie wir, na Logo!) entführen zu lassen. Commander Perkins will daraufhin mit den Entführern reden: „Wir kommen Friede, weil wir auch von dem roten Nebel bedroht werden!“ Emptyaner: „Wir mögen euch nicht, weil ihr uns den roten Nebel geschickt habt!“ Perkins: „Aber der kam doch von eurem Planeten!“ Emptyaner: „Öh….äh….wurscht! Wir mögen eure Visagen nicht! Verschwindet, aber vergesst bloß nicht, diesen häßlichen kleinen Gartenzwerg da wieder mitzunehmen!“ Perkins: „Ok, auf zur Abholstelle….“ Womit die gesamte Episode auf Empty nur dazu da war, die Laufzeit zu strecken… Toll ist aber vor allem die Auflösung der ganzen Sache. Kaum sind unsere Helden wieder auf Delta 4, erhalten sie Meldung von der Neurologin ihres Vertrauens, Dr. Bradshaw (sie hat alle am Beginn untersucht). DIese hat festgestellt, dass aufgrund exzessiver Weltraumreiserei die Gehirne unserer Truppe mutiert sind, und das könne uns jetzt helfen (was, ihr fragt nach dem Warum? Na dann viel Spaß beim Suchen nach der Antwort!) Natürlich bricht sofort allgemeiner Jubel und Enthusiasmus aus (Hm. Also wenn mich mein Doc anrufen und mir etwas über diverse Mutationen in meiner Denkmurmel erzählen würde, dann wäre ich zumindest *ein wenig* nachdenklicher als diese fröhliche Baggage hier) Kaum auf der Erde angekommen (Zwischenzeitlich hat man auch mal so nebenher konstatiert, dass der Nebel vor Ralphs telepathischer Begabung Angst hat – warum auch immer) findet man Doc Bradshaw beim Drachensteigen auf dem Dach ihres Labors wiede. Ja, ihr habt richtig gelesen. Beim Drachensteigen. Denn natürlich konnte der Doc die Gehirnmutationen irgendwie auf den Drachen übertragen (Mir…..wow…..mir fehlen echt die Worte bei diesem SCHWACHSINN!!!) und jetzt fliegt der Nebel um den Drachen wie die Motten um das Licht. Commander Perkins kommt auf die Idee, den Nebel zum Mond und in den sich zufällig dort befindenden Teilchenbeschleuniger zu locken, da dieser den Nebel mit seinen Magnetfeldern für immer und ewig festhalten könne (Meine Suspension of Disbelief war nach diesem Hörspiel stolze Zwangsjackenträgerin) Natürlich lässt sich die Mutation (oder was auch immer) auch locker vom Drachen auf die Spaceboy übertragen und los gehts zum Mond! Dabei stellt sich mir folgende Frage: Wenn der Nebel wirklich auf diese Mutadingenskirchens so scharf ist…..wie haben die ihn dann vom Raumschif weg und in den Teilchebeschleuniger reinbekommen? Direkt reingeflogen werden sie wohl nicht sein (zutrauen würd ich es ihnen aber allemal)….Der Plan funktioniert und alle sind froh und haben sich lieb. Danach kommt die beste Stelle im gesamten Hörspiel, nämlich die, an der mir mein CD-Player signalisiert, dass mein Leiden ein Ende hat. Die Sprecher sind hier auch ganz famos (Vorsicht, Ironie!) Bis auf Meincke sind sie alle komplett daneben oder kämpfen auf verlorenem Posten. Jürgen Neumann schwankt als Erzähler zwischen enervierend und tinnituserregend hin und her und ging mir praktisch von der ersten Sekunde an auf den Sender, Nicolas Böll hält krampfhaftes Überbetonen wohl für den letzten Schrei im Hörspielbereich und Pia Wefel müht sich zwar redlich, wird aber vom Skript ordentlich im Regen stehen gelassen. Die Krönung ist aber, dass Studio Maritim mit Wolfgang Bahro einen fast 50jährigen Mann egagiert hat, um die Rolle des 14jährigen Ralph Common einzusprechen. Verflucht, der arme Kerl klingt so, als hätte er seine Genitalien in einen Schraubstock gezwängt, um so eine etwas höhere Stimmlagen zu erzielen. Dass er dabei *etwas* angestrengt rüberkommt, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Oder?
Das Skript selbst…naja, was soll ich dazu noch sagen? Die alte Gruselserie von H G. Francis finde ich ja ziemlich gut. Das liegt aber vor allem daran, dass diese Reihe sich zu KEINEM Zeitpunkt so bierernst nimmt, wie es unser Commander Perkins hier tut. So kann ich über die dort ebenfalls zahllos vorhandenen Hirnlosigkeiten herzlich lachen, während sie bei Perkins einfach nur noch weh tun. An dieser Stelle möchte ich auch mal kurz auf den Titel an sich eingehen: Die Sache mit dem Dimensionsbrecher ist NICHT von Stargate abgekupfert, das kam schon in der alten Serie so vor. Dass Studio Maritim ihre neue Perkins-Serie aber gleich „Das Sternentor“ nennt, ist schon eine Dreistigkeit vor dem Herrn. Auf eines kann man sich bei dieser CD allerdings jederzeit verlassen: Ganz egal wie beschissen das alles ist: Der Score und die Soundeffekte sind immer um eine Ecke schlechter als der Rest. Die tonale Untermalung hat mehr als einmal dafür gesorgt, dass ich in Gedanken zu dem Koffer mit der Bohrmaschine in der Abstellkammer abgeschweift bin. Die Idee, mit diesem Werkzeug meinen Gehörgang zu pürieren wurde von Minute zu Minute verführerischer, so sehr hat mich die – nennen wir es mal so – „Musik“ gequält. Da wünscht man sich doch glatt einen anständingen Hörsturz, damit man nicht mehr mitbekommt, wie die Jungs vom Studio Maritim sich auf ihren Aldi-Keyboards austoben…
Beim Durchblättern der im Internet vorhandenen Reviews ist mir übrigens eines aufgefallen: NIcht nur dass die Reaktionen insgesamt bestenfalls als durchwachsen bezeichnet werden können, so kommen die einzigen positiven Reviews zu beinahe 100% von Leute, die in jedem zweiten Satz erwähnen, wie geil sie doch die alte Serie fanden. Etwas mehr Ojektivität und etwas weniger Nostalgiebonus wäre hier wohl angebracht gewesen (Ohje! Gleich kommt Poes_Rabe und nagelt mir mein „Gräfin Dracula“-Review ans Schienbein!)
Fazit: Studio Maritim hat es geschafft. „Das Sternentor Teil 1: Der rote Nebel“ ist tatsächlich noch schlechter als „Verschollen im Spukhaus“. Deshalb: Nie wieder Studio Maritim! Und damit: Bis zum nächsten Studio Maritim Review!
0 von 5 Punkten