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Die Proteste an den österreichischen Universitäten waren meiner Meinung nach schon lange überfällig. Man kann von den Studierenden nicht erwarten, dass sie die ständig schlechter werdenden Bedingungen immer weiter schlucken und so tun, als wäre alles in bester Ordnung. Die dämliche Regelung mit den Studiengebühren (die dafür gesorgt hat, dass jetzt so weit ich weiß der bürokratische Aufwand mehr Geld frisst, als die Uni damit einnimmt), die Einführung von Bachelor- und Masterstudien, die sich dadurch, dass das Bachelorstudium komplett wertlos ist, selbst ad absurdum führen, ein akuter Mangel an ProfessorInnen, der dazu führt, dass sich erstens die Lehrenden aufreiben müssen und zweitens die Studierenden ihr Studium (wegen beschränkter Teilnehmerzahlen bei den wenigen Veranstaltungen) nicht in dem Tempo abschließen können, dass sie gerne hätten (und hinterher heissts dann „faule StundetInnen!!“, gell?), chronischer Geldmangel an allen Ecken und Enden und – last but not least – dass immer noch sehr wenige Frauen an der Universität leitende Positionen inne haben, musste doch irgendwann zu einer (völlig berechtigten) Explosion führen.
Die Debatte ÜBER die Proteste läuft übrigens auch sehr österreichisch ab. In den Internetforen gibt es für jeden, der für die Studierenden Verständnis zeigt, mindestens einen, der irgendwas von faulen SutdentInnen, denen man „Die Wadln nach vorne richten!!!“ (also auf gut deutsch: „Den Marsch blasen!“) muss und am besten gleich die Heizung im Audimax abdrehen soll. Dass diese Beiträge vor Neid meistens nur so triefen ist ebenso klar, wie die Tatsache, dass diese Leute andere dafür bestrafen wollen, dass sie selbst im Leben zu kurz gekommen sind. Die kommentierende Berichterstattung mancher Journalisten ist aber auch nicht viel besser. So ergeht sich die der Herr Witzmann von der Presse in seinem undifferenziertem Geschwafel darüber, dass die Studierenden seiner Meinung nach erstens nicht arbeiten wollen und zweitens die falschen Fächer studieren. Das geht so weit am Thema vorbei, dass mir mein Deutschlehrer dafür ein glattes „Nicht Genügend!“ wegen einer Themenverfehlung gegeben hätte. Das Problem dabei ist nur: Sie (die kommentierenden Journalisten) werden dabei bei vielen Leuten durchkommen: Den Neidhammeln, den Zukurzkommern, den Jugendhassern, kurz: bei all jenen die lieber im metternichschen-klerikalen-postnazistischen Sumpf blanker Distinktionsdünkel den Forschenden gegenüber (siehe den interessanten Artikel von Martin Blumenau) stecken bleiben, als sich einmal Gedanken um mehr als nur sich selbst zu machen.
Es freut mich jedenfalls, dass die Proteste sich ausweiten und in jeder – mit Ausnahme der Montanuni Leoben – Univeristät Österreichs bereits ein Hörsaal, eine Aula oder was auch immer besetzt wurde, dass die ÖGB sich solidarisch zeigt und die SchülerInnenvertretung, genauso wie offenbar auch die Metaller, zu gemeinsamen Aktionen bereit ist. Vielleicht kann man so etwas erreichen und die Leute zum Zuhören zwingen.
Falls es jemand auf der Demo gestern nicht mitbekommen hat: Der Livestream aus dem Audimax der Universität Wien ist hier.
Hier noch ein kurzes Handyvideo von mir von der Demo:
Sorry wegen der schlechten Bildqualität.
Auch wenn die Wahlbeteiligung mal wieder niederschmetternd war (nur 25% ? Leute, ganz ehrlich, das ist zum Schämen!), scheinen doch genug StudentInnen eine Stimme abgegeben zu haben, damit halbwegs ein Ergebnis bei der ÖH-Wahl rausgekommen ist. Die der ÖVP nahestehende AktionsGemeinschaft bleibt die stärkste Fraktion, die Fachschaftslisten werden wohl Platz 2 erobern. Das ist auch gut so, denn während die anderen immer große Weltpolitik spielen wollten, hat die AG sich um den Service für die Studenten gekümmert und auch die Fachschaftslisten werden das allem Anschein nach so halten. Versteht mich nicht falsch, Statements zum politischen Geschehen abzugeben ist auch wichtig, aber von einer Studierendenvertretung erwarte ich, dass sie mich, den Studenten mit seinen Uni-Problemen, in den Vordergrund stellt und nichts anderes. Von daher gefällt mir das Ergebnis wirklich sehr gut.
Bei der Wahl zur ÖH (Österreichische Hochschülerschaft) gab es mal wieder eine erschreckend niedrige Wahlbeteiligung. Dabei frage ich ich (mal wieder), was man denn alles tun könnte, um die österreichischen Studenten zum Wählen zu bewegen. Vielleicht sollten wir ja gleich jeder Studentin/jedem Studenten 100€ in die Hand drücken, damit er sich mit den Wahlzetteln in die Kabine verdrückt um sein Kreuz zu machen. Vielleicht könnte man jedem Medizin- und Jusstudenten einen garantierten Sitzplatz in den jeweiligen Vorlesungssälen versprechen, damit sie zur Abstimmung gehen (nö, so überfüllt wie die Hörsäle dort sind, wäre da selbst das mit dem Hunderter realistischer). Oder vielleicht sollte man die StudentInnen bei der nächsten Prüfung in einem Kinosaal so lange mit TV-Wahlwerbespots bombardieren, bis sie den Verstand verlieren und entnervt aufgeben.
Mal ernsthaft: Die niedrige Wahlbeteiligung resultiert daraus, dass es die meisten StudentInnen schlicht und ergreifend einen Scheißdreck interessiert, wer sie vertritt. Dass das der Hauptgrund dafür ist, dass die ÖH bei sämtlichen Fragen der Bildungspolitik vornehm ausgedrückt als Federgewicht bezeichnet werden kann und maximal als Spielball der Politik brauchbar ist, daran denkt mal wieder keiner. Schließlich ist man ja nach ein paar Jahren eh wieder draußen und was danach kommt, ist uns doch wurscht, oder? Dass das eventuell mal den eigenen Kindern auf den Kopf fällt – who cares? Und das soll die zukünftige Elite unseres Landes sein? Na vielen Dank! Damit meine ich übrigens nicht diejenigen, die sich diesen Job tatsächlich antun. Im Gegenteil, dass es noch Leute gibt, die sich diesen undankbaren Job tatsächlich noch antun, finde ich sehr bewundernswert. Ihnen gebührt echter Respekt. Nur: Vor der Wahl anzukündigen, dass man später eventuell das Ergebnis anfechten will, ist ehrlich gesagt kein kluger Schachzug.
Brightsblog über die Jesus Freaks.
Viel Spaß beim Lesen!
Seit ich in einem Nachhilfeinstitut arbeite, fällt mir eines auf: Der Anteil an übertrieben ehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder zu Höchstleistungen antreiben, ist enorm im Ansteigen. Da gibt es schon Volksschüler, die unbedingt von einer 2 auf eine 1 kommen (und das, obwohl sie in Mathematik schneller rechnen als ich) und dann mit so Sätzen wie „Wenn ich diesmal eine 1 schaffe, dann darf ich mir um 20:15 meinen Lieblingsfilm anschauen, hat mein Papa gesagt“ (Zitat einer 10jährigen mit leuchtenden Augen). Ich muss da immer irgendwie an Eislaufmütter denken, die ihre Kinder antreiben, weil sie selber ihren Traum nicht leben konnten.
Es ist schon erschreckend, dass Konfliktlösung jetzt in der Schule unterrichtet werden muss. Eigentlich sollte doch die Eltern für die soziale Kompetenz ihrer Kinder zuständig sein, oder nicht?
Außerdem glaube ich kaum, dass man damit allein dem Problem der steigenden Gewalt an Schulen Herr werden kann. Es ist doch so, dass die Schülerinnen und Schüler meist im Unterricht zu allem „Ja!“ sagen, was die Lehrer so von sich geben, nur um dann in der Pause oft genug das genaue Gegenteil von dem zu tun, was zuvor zu ihnen gesagt wurde.
Es ist schon bezeichnend für den Zustand dieser Regierung, was sich da im Bildungsbereich abspielt. Erst lässt Wissenschaftsminister Hahn ein Gespräch mit der Unterrichtsministerin platzen, dann legt die ÖVP einen Entwurf vor, der wiederum der SPÖ nicht passt und schließlich einigt man sich mit viel Trara auf einen faulen Kompromiss, der – wie immer – nichts Halbes und nichts Ganzes darstellt. Dass nicht einmal dabei alle Bundesländer an einen Strang ziehen und Niederösterreich sich mal wieder vom Rest abkaspelt und ein eigenes Modell erarbeiten möchte, ist da noch das Tüpfelchen auf dem i.
Übrigens hat man bei dem ganzen Hickhack zwar mit vielen Leuten geredet, nur diejenigen, die davon direkt betroffen sind, hat man nicht gefragt: die Schüler, die Eltern und die Lehrer.
Da diese Partei (allen voran ihr Chef), wie das Beispiel Schulreform zeigt, ja sowieso aus lauter Neinsagern und Verhinderern besteht, habe ich mir für diese „Volks“partei auch gleich einen neuen Namen überlegt, bei dem sie – praktischerweise – ihr Kürzel ÖVP behalten kann:
ÖsterreichischeVerhindererPartei
Sehr empfehlenswert: Liberal in Austria
Besonders der Satz, dass der durchschnittliche, österreichische Büchermuffel ein männlicher Kärntner und BZÖ, bzw. FPÖ Wähler ist, sagt doch so einiges…


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