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Kurzanalyse:

 

Meiner Meinung nach hat die SPÖ genau das bekommen, was sie verdient hat. Mit ihrer Anbiederung an die Krone hat sie sogar H.P. Martin zumindest in dieser Hinsicht noch locker in den Schatten gestellt und auch mit ihrer „Nichtlinie“ in Bezug auf Europa (Zitat: Der von mir immer mehr geschätzte Franz Voves), hat sie sich ihre Niederlage mit Anlauf selbst bereitet. Wie man sich bettet so liegt man.

Das gilt auch für die Grünen. Erst das Hin und Her wegen Voggenhuber und Lunacek und auch danach kam ihr Wahlkampf nicht richtig in Fahrt. Eva Glawischnigg sollte sich schön langsam fragen, ob sie die richtige Person für den Chefposten ist. Außerdem nervt mich Aktionismus ala „Wir stellen nur Frauen auf, um so für Gleichberechtigung zu kämpfen“ ungemein. Für eine Wahl soll man verdammt nochmal die besten Leute aufstellen und zwar unabhängig vom Geschlecht!

Die Liste Martin ist für mich eine der positiven Überraschungen dieser Wahl. Ja, ihr habt richtig gelesen. Denn obwohl Martin sehr oft stupides EU-Bashing betreibt und er es sich mit beinahe jedem/jeder Person, mit der er jemals länger zusammenarbeitete, verscherzt hat, hat er eines gezeigt: Dass sehr viele Protestwähler sich eben nicht, weil sie rechtsextrem sind, an die FPÖ und das BZÖ wenden, sondern weil ihnen in unserer Parteienlandschaft ganz einfach die Alternativen fehlen (dass viele für ihre Protestwahl eine rechtsradikale Gesinnung „ihrer“ Partei in Kauf nehmen, ist eh schon schlimm genug). Er würde zwar weiterhin die Unterstützung der Krone brauchen, aber Hans Peter MArtin könnte auf lange Sicht auch bei nationalen Wahlen meiner Meinung nach vor allem das BZÖ in arge Bedrängnis bringen.

Das BZÖ wurde in dem zwischen Martin und der FPÖ tobenden Kampf um die Protestwähler regelrecht vaporisiert. Das lag allerdings zu einem guten Teil auch daran, dass „Dobermann“ Ewald Stadler vieles ist, aber ganz sicher kein zugkräftiger Spitzenkandidat. So mutierte das BZÖ bei dieser Wahl zu einem politisch unbedeutenden Fliegengewicht.

Die ÖVP ist der zweite Wahlsieger, da sie – trotz Verlusten – die stärkste EU-Kraft im Land geworden ist. Nun gut, neben einer einen ständigen Zickzackkurs fahrenden SPÖ gut auszusehen ist auch nicht allzu schwer….

Die FPÖ hat zwar ihren Stimmenanteil von 6 auf 13% beinahe verdoppeln können, aber Sieger sehen für mich dennoch anders aus, vor allem wenn man bedenkt, dass sie bei früheren (nationalen) Wahlen an die 29% erreicht hat. Dass sie das diesmal nicht einmal annähernd geschafft hat, liegt – mal wieder – daran, dass immerhin 18% der Wähler mit H.P. Martin keinen Nazi, sondern einen maximal als rechtsliberal zu bezeichnenden Populisten ihre Stimme gaben….

Ganz ehrlich: Ich habe mich vor dem Abschneiden von BZÖ und FPÖ ein wenig gefürchtet und hätte mir nicht gedacht, dass ausgerechnet H.P. Martin das schafft, woran SPÖ und ÖVP schon seit Jahren immer wieder kläglich scheitern: Das BZÖ zu zerreiben und die FPÖ deutlich auf Abstand zu halten. Auch wenn ich ihn nicht gewählt habe: Hut ab vor dieser Leistung (die auch ein wenig mit Hilfe der Krone zustandegekommen ist).

 

Einen anderen interessante Artikel zu diesem Thema findet ihr hier.

Anhand dieses Videos möchte ich mit euch mal durchexerzieren, wieso so viele vor allem junge Leute auf diese Politversion des Rattenfängers hereinfallen.

Zum Einen schafft er es als einziger von unseren PolitikerInnen so etwas wie wie jugendlichen Elan zu vermitteln. Man kann von seinen Positionen halten, was man will: Er wirkt einfach nicht so verstaubt wie es ungefähr 90% der österreichischen Verantwortlichen im Parlament tun. Sowas kommt bei den jungen Leuten halt einfach an und es wirkt bei ihm auch ziemlich glaubhaft.

Außerdem hat er von Jörg Haider sehr viel gelernt, OHNE ihn gleich zu kopieren. Die Angriffsrhetorik ähnelt zwar sehr stark einem Haider in Hochform, aber Strache hat es geschafft, sich vom bloßen „Haider-Klon“ zu einer „eigenständigen Persönlichkeit“ zu entwickeln. Auch das merkt man sehr stark.

Das soll keine Entschuldigung sein, aber zumindest der Ansatz einer Erklärung. Ich meine, wen würdet ihr denn lieber Wählen: Jemanden, der ca. dreimal so alt ist wie ihr selbst (und dabei aussieht, als wäre er in Wahrheit sechsmal so alt)? Oder doch jemanden, der euch glabuhaft vermitteln kann, dass er mit euch auf einer Wellenlänge liegt?

Strache hat alles, was er von Haider gelernt hat, in eine für ihn perfekte Form gegossen und er hat kapiert, dass geschicktes Marketing in der Politik schon sehr viel mehr als nur die halbe Miete ist.

 

Und warum zum Teufel können die anderen PolitikerInnen das nicht?

Der blaue Planet auf Badcomics. Ich verlinke sonst ja nicht so oft auf meinen Zweitblog, aber hier passt es gerade sehr gut, denn dieser Comic ist wirklich ein großer Haufen Scheiße!

Nachzulesen hier.

Und jetzt rätseln natürllich alle und fragen sich: Wieso will denn der Strache die Türken nicht, aber die Russen schon? Dabei ist die Löung doch ganz einfach: Der Strache mag die Russen im Prinzip genauso wenig wie die Türken, aber er braucht sie für seinen Wahlerfolg, wenn er irgendwann einmal Kanzler werden will. Der Strache will nämlich Österreich ganz gezielt mit Russenmafiosi überschwemmen, damit wir Österreicher alle Angst kriegen, und ihm, der uns ja nur vor den bösen bösen Ausländern beschützen will, bei der nächsten Wahl die absolute Mehrheit geben. Ist doch logisch, oder?

 

(Und natürlich wäre es ein angenehmer Nebeneffekt, wenn jederzeit ein russiischer Killer greifbar wäre, um etwaige kritische Journalisten verschwinden zu lassen. Oder anders ausgedrückt: Armin Wolf sollte sich schon einmal nach einem Bodyguard umsehen…)

Wenn ich mir die politischen Debatten der letzten Wochen vor dem EU-Wahlkampf so anschaue, dann muss ich folgendes feststellen: In der Politik macht sich schön langsam eine Art von Respektlosigkeit gleich, die mir absolut nicht gefällt. Ein gutes Beispiel dafür ist ja der Streit zwischen dem dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant. Graf hatte Muzicant ja vor einiger Zeit als „Ziehvater des Linksterrorismus“ bezeichnet, weil Muzicant H.C. Strache, auch nicht sehr charmant, mit dem Propagandaminister des dritten Reiches, Joseph Goebbels, verglichen hatte.

Wenn man sich die Wahlkampfplakate anschait und manche Wahlkampfreden anhört (und zwar nicht nur die der FPÖ), dann fällt einem auf, dass die Parteien (bis auf die Grünen – die schlagen ja wie üblich gleich ins andere Extrem um) mit Immigranten jetzt wohl generell unfreundlicher umspringen. Das liegt wohl auch daran, dass die beiden Großparteien glauben, man könne nur mit bedingungsloser Anbiederung an den rechten Rand verhindern, dass man Stimmen an FPÖ und BZÖ verliert, schließlich hat diese Taktik ja früher auch schon so gut funktioniert (Achtung Ironie).

Generell kann man feststellen, dass statt politischer Argumente immer öfter von allen Seiten Beleidigungen der Konkurrenz kommen. Und das beunruhigt mich.

Ich hab ja echt lange versucht, nichts zu Straches mit religiösen Symbolen angereicherten Wahlkampf zu sagen. Ganz ehrlich: Ich halte es nicht mehr aus, wenn ich noch länger ruhig bin, explodiere ich noch. Ich versuche mich dennoch kurz zu fassen.

Es gibt einen guten Grund dafür, warum Religion und Politik fein säuberlich voneinander getrennt sind. Ganz egal, wo man es mit so etwas idiotischem wie „Abendland in Christenhand“ ernsthaft probiert hat, kam eben nicht das Paradies auf Erden raus, sondern eine auf solche Kleinigkeiten wie Menschenrechte scheißende Tyrannei. Das scheint bei Religionen generrell etwas Systemimmanentes zu sein, hängt wohl mit dem absoluten Wahrheitsanspruch zusammen. Dass Strache, wenn er sich als der Wächter eines heiligen Tempels aufspielt, nicht besser ist als beispielsweise die Taliban, liegt dabei auch auf der Hand, denn seien wir doch mal ehrlich: Die meisten islamischen Gottesstaaten benutzen die Religion doch nur als Deckmäntelchen, damit der Rest der Welt nicht sofort erkennt, dass es sich bei ihnen auch nur um „ganz gewöhnliche“ menschenverachtende Diktaturen handelt. Und Strache propagiert mit „Abendland (was ist das eigentlich, dieses Abendland, außer ein künstliches Konstrukt?) in Christenhand“ eben eine christliche Diktatur. An dieser Stelle sei übrigens noch erwähnt, dass sich selbst der sonst eher zurückhaltende Kirchenrat ganz klar gegen diesen Missbrauchs ihrer (und meiner) Religion ausgesprochen hat.

Jedenfalls kotzt mich dieser Wahlkampf für hirnamputierte Vollidioten, den dieses Mal anscheinend alle Parteien, die zur EU-Wahl antreten, betreiben, ganz besonders an. Denn die anderen Spitzenkandidaten bezeichnen Strache zwar als „Hassprediger“, nur unternehmen wollen aktiv gegen seine Ausfälle nichts. Und das finde ich fast noch schlimmer.

 

An dieser Stelle gibts von mir noch einen Hinweis auf den Videocast von Standard-Journalist Robert Misik:

Kennt ihr das hier schon? Ich will ja schließlich nicht der einzige Comicfan sein, dem dabei das Kotzen kommt.

 

(Dass H.C. Strache sich mit Superman ausgerechnet nen außerirdischen Immigranten als Vorbild für seine Comics genommen hat, tut ihm sicher heute noch weh!)

Ich habe ja extra bis zum Ende des Wahlkampfes gewartet, bevor ich meninen Senf zur Landtagswahl in Kärnten und insbesondere zum Wahlkampf des BZÖ abgebe. Ich will auf den ewig gleichen xenophoben Scheißdreck, den Dörfler, Scheuch, Petzner und Co. auch gar nicht verstärkt eingehen und nur ein paar der Höhepunkte herausstreichen. Den Negerwitz vom Dörfler fand ich ehrlich gesagt gar nicht einmal soooo extrem rassistisch. Dass er ihn erzählt hat, zeugt aber von einer beinahe grenzenlosen Dummheit. Jedem Menschen mit mehr als zwei Gehirnzellen hätte klar sein müssen, wie die breite Öffentlichkeit diesen Schmäh von Dörfler auffassen würde. Dass er sich dann auch noch so ablichten lässt, setzt dem ganzen allerdings die Krone auf.

Was ich auch immer wieder lieb finde, ist die ewige Forderung nach Pietät im Zusammenhang mit dem Tod von Jörg Haider. Dabei stellt sich mir folgende Frage: Wie beurteilt ihr, meine lieben BZÖ-Fans, so etwas wie von der Politik vorgetäuschte spontane Volkstrauer? Auf eure Antworten wäre ich in diesem Fall echt neugierig!

Zum Schluss noch meine Prognose für den Sonntag: Das BZÖ wird einige Prozent an Stimmen verlieren (etwa 2-3%), seine Nummer 1 Position aber klar halten. Die SPö wird leicht dazugewinnen, die ÖVP stagnieren und die Grünen den Einzug in den Landtag knapp schaffen. Dass das BZÖ die NUmmer 1 bleibt, wird vor allem daran liegen, dass viele Menschen ihre Stimme „In Memoriam Jörg Haider“ abgeben werden. Ob das BZÖ auch ohne seinen Mentor überlebensfähig ist, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

 

 

P.S.: In Salzburg wird wohl alles beim Alten bleiben.

Kennt ihr schon Joe? Nein? Dann wirds aber Zeit. ;)

Joe ist derzeit eines der zentralen Wahlkampfthemen im Kampf um die Nachfolge von George W. Bush. Viel Spaß beim Lesen!

Gestern ging im ORF die Diskussionsrunde der nicht im Parlament vertretenen Parteien über die Bühne. Ich sammle und kommentiere hier mal die wichtigsten Zitate.

 

Beginnen möchte ich mit meinem persönlichen „Favoriten“: Alfons Adams von der Partei „Die Christen“:

Alfons Adams zum Thema Steuerpläne:

„Wir haben keine konkreten Steuerpläne, ich glaube auch nicht, dass das die Zuseher interessiert.“
- Also ich würde schon gerne wissen, wieso ich jemanden ohne Plan für die Finanzen wählen soll.

 

 

Kinderbetreuung:

„Die allgemeine menschliche Erfahrung zeigt uns, dass der Platz eines Kindes bei der Mutter sein muss. Kinder in Krippen abzugeben ist eine Art von Kindesmisshandlung.“

- Da fiel mir dann echt die Kinnlade runter. Sämtliche Eltern, die ein zweites Gehalt zum Überleben brauchen, machen sich also der Kindesmisshandlung schuldig, wenn sie ihr Kind in einer Kinderkrippe abgeben. Kommentar der lachenden Heide Schmidt: „Das kann ich nicht ernst nehmen.“ Dem schließe ich mich an, genauso der Aussage von Mirko Messner auf die Aussage von Adams, dass dies die einzige Wahrheit sei: „Sie haben die Wahrheit und ich sagen Ihnen jetzt, dass das eine Wahrheit des patriarchalischen Dunkelmännertums der übelsten Art ist.“

 

 

Fritz Dinkhauser zu jedem beliebigen Thema:

Blablabla…der Mann hat echt überall nur Werbeslogans von sich gegeben.

 

 

Mirko Messner (Kpö) zum Thema Wirtschaftspolitik:

„Zählen tut heutzutage nur die Profitmaximierung. Gewinne sollen privatisiert, Verluste verstaatlicht werden, so läuft es heute. Wir sind der Meinung, dass es genau umgekehrt sein muss.“
Klar. Und mit den im Umkehrschluss privatisierten Verlusten fahren wir die Privatwirtschaft dann endgültig in die Grube, gelle? War übrigens lustig zu sehen, wie Messner und Adams die alte Feindschaft zwischen Kommunisten und Christen wieder aufleben ließen…

 

Wilfried Auerbach (Rettet Österreich) zu allen Themen:

Ichtusoalswürdichantwortenund….ach was! Der EU-Vertrag ist das papiergewordene Böse! Wählt mich und ich werde euch erlösen! Außerdem ist die Thurnher ganz böse und lässt die anderen viel mehr reden als mich! (Thurnher dazu am Schluss sinngemäß: „Herr Auerbach hat drei Minuten länger geredet als alle anderen.“)

 

Heide Schmidt (LIF) zum Thema:

Steuerpläne: „Es muss natürlich eine Unterstützung des Mittelstandes geben. Wir sind der Meinung, dass Einkommen bis 70.000 Euro massiv entlastet gehören.“

Ok, die erste halbwegs vernünftige Aussage in der Diskussion.

Kinderbetreuung (über Adams):

„Ich will Ihnen nicht nahetreten, aber ich kann das nicht ganz ernstnehmen.“
Das konnte wohl keiner…

Was bemerkenswert war, dass Frau Schmidt am liebsten der Thurnher den Job als Moderatorin abspenstig machen wollte…

 

Fazit: Dass Fritz Dinkhauser und Heide Schmidt Profis sind, merkte man in dieser Runde besonders stark. Adams scheint entweder einer der Geistbahnen im Prater oder einem feuchten Traum von Hans Hermann Groer und Kurt Krenn entsprungen zu sein, während Wilfried Auerbach mit nur einem einzigen Thema (nämlich dass die EU in seinen Augen die sprichwörtliche Hure Babylon und die Alleinschuld an allem Übel auf der Welt ist) ohnehin nicht weit kommen. Zum Schreien war auch seine Empörung darüber, dass er nicht selber zwei Gäste einladen durfte, die mit ihm im Chor erklären wollten, wie schlecht alles, was aus Brüssel kommt, ist.

Also wenn ich mir so anschaue, was da nachrücken könnte, bin ich über die Herren, die im Parlament sitzen, doch ein wenig froh (mit Ausnahme von Strache oder Haider, die ich jederzeit gegen die Schmidt eintauschen würde).

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