Putins Verständnis von Demokratie und wie ihm Europas Linke hilft


Spätestens seit den Demonstrationen gegen Putin und den Reaktionen von Putin selbst und der russischen Polizei darauf, die teilweise Demonstranten, die bereits auf dem Heimweg waren, verprügelten (und dabei auch nicht vor Frauen und Kindern halt machten) sollte jedem klar sein, dass sich in Russland unter Putin eine schleichende Diktatur breit gemacht hat. Kritik am System ist unerwünscht, wer es dennoch wagt etwas zu sagen (wie der ehemalige Schachweltmeister Kasparow) wird entweder eingesperrt, oder er darf mit dem Gummiknüppel der Polizei Bekanntschaft schließen.

Dabei frage ich mich vor allem: Wo bleibt der internationale Aufschrei? Wenn so etwas in Amerika passieren würde, dann wären die Zeitungen und Fernsehnachrichten wahrscheinlich wochenlang voll mit Berichten darüber. Aber da es in Russland passiert ist, ist die Berichterstattung darüber schon fast als extrem leise zu bezeichnen. Dass diejenigen unter uns, die bei jeder Gelegenheit verbal auf die USA einschlagen, weil George Bush ja so böse und überhaupt der Antichrist in Fleisch und Blut ist, keine einzige Silbe der Kritik an Putins Vorgehen zu äußern scheinen, hat meiner Meinung nach verschiedene Gründe: Zum Einen liegt es daran, dass Putin – im Gegensatz zu Bush – kein unabsichtliches Ziel für Hohn und Spott abgibt (dafür hat Bush ja mit einigen mehr als peinlichen Auftritten und Sagern gesorgt). Zum Anderen sind die Antiamerikanisten auf diesem Auge gerne blind, was man schon daran erkennt, dass sie sich lieber mit dem Iran oder den Terroristen im Irak verbrüdern, anstatt einmal zu gestehen, dass die USA mit ihrem Vorgehen nicht nur schlechtes produziert haben. Hauptsache man ist gegen Amerika scheint das Credo dieser Leute zu sein.

Der dritte Grund sind die Medien, die jeden Bombenanschlag im Irak auswalzen bis zum geht nicht mehr (nicht, dass die Attentate nicht tragisch wären), aber auf der anderen Seite schon seit langem nicht mehr darüber berichten, was die Russen so in Tschetschenien treiben.

Grund Nummer 4 sind schließlich die Politiker, die mit „Amibashing“ zwar einerseits gerne auf Stimmenfang gehen, aber bei Putin andererseits von einem „lupenreinen Demokraten“ reden (dass dem Herrn Schröder damals aufgrund seiner offensichtlichen Lüge nicht schlecht geworden ist, verstehe ich bis heute nicht).

Armes Europa, eigentlich hast du dir was besseres verdient…

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Schlumpf sagt:

    Grund 5 : Russland könnte mal wieder drohen, uns den Gashahn zuzudrehen.

  2. udos sagt:

    Jo, das natürlich auch.

  3. Ja, sie haben ja mit den meisten ihrer Ausführungen recht. Allerdings ist Antiamerikanismus nicht unbedingt nur ein Vorrecht der Linken. Viele PolitikerInnen, die eifrig am balkan und in Afghanistan mitmischten, tun jetzt so, als wäre Europa ein „Hort des Friedens und der freiheit“ (und was weiß ich noch alles). Dass es in der sog. Linken besonders dreiste Pappenheimer gibt, muss ich als sog. Linker eingestehen. Dass die medienlandschaft tausendmal lieber zeigt, was Amerikaner im nahen Osten aufführen, als was die Russen in Tschetschenien (und auf Moskaus straßen) verbrechen, dafür kann aber auch der letzte Stalinist nichts!

  4. udos sagt:

    Das stimmt natürlich. Dabei ist doch die Frage, warum von den so genannten unabhängigen Medien hier immer mit zweierlei Maß gemessen wird. Schließlich sollten die Medien nicht nur der Bevölkerung nach dem Mund reden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s