Ein paar Gedanken zu Jörg Haiders Tod


Jörg Haider hat die Menschen in Österreich bewegt, wie sonst – mit Ausnahme von Bruno Kreisky – kein anderer Politiker der zweiten Republik. Viele liebten ihn, viele hassten ihn. Ich persönlich konnte politisch nicht sehr viel mit ihm anfangen, aber ich hatte immer großen Respekt vor seinem rhetorischen Talent, dem raubtierhaften Instinkt, mit dem er die Schwächen seiner Gegner ausfindig machte und seinem Gespür für die einfachen Menschen, denen er stets das Gefühl vermitteln konnte, dass ihre Probleme bei ihm in guten Händen seien.  Er verstand es, die Menschen mitzureißen (was heute kaum ein österreichischer Politiker schafft).

Natürlich darf man seine andere Seite dabei auch nicht vergessen. Jörg Haider hat, als er Menschen, die später vor Gericht freigesprochen wurden, in sein Internierungslager auf der Alm sperrte, die Menschenrechte mit Füßen getreten. Seine Abschiebeaktionen von Kärnten ins Lager Traiskirchen war auch nur billiger Aktionismus und über seine Sager von der Beschäftigungspolitik im dritten Reich und seine Reden vor ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS brauche ich wohl nichts mehr zu sagen. Die dürften jedem bekannt sein.

Dennoch verstehe ich die Schadenfreude, die jetzt mancherorts herrschen wird, absolut gar nicht. Ein gutes Beispiel ist der Kommentar von alzir hier in meinem Blog. Seit wann ist die Nachricht vom Tod eines Menschen denn eine gute Nachricht? Ich trauere zwar auch nicht gerade um Jörg Haider (was aber vielmehr daran liegt, dass ich nur um Menschen trauere, die mir persönlich nahe stehen), aber mir würde nie einfallen, deswegen gleich die Sektkorken knallen zu lassen. Das halte ich für pietätlos.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Oliver sagt:

    Wenn ich mir anschaue, dass sämtliche Kommentarfunktionen auf diversen Onlinemedien aufgrund pietätloser Kommentare gesperrt wurden, stelle ich mir die Frage, ob die Leute entweder keinen Respekt vor dem Mensch Jörg Haider haben, oder, provokant formuliert, schlichtweg dumm sind.

    Menschlich ist jeder tödliche Unfall eine Tragödie und diesem Schicksalsschlag sollte mensch mit Respekt gegenüber treten. Ich muss daher derlei Beschimpfungen, wie sie auf diversen Onlinemedien zu finden waren, schlichtweg zurückweisen. Nicht negieren kann ich aber, dass ich Haiders Politik menschenverachtend und dem österreichischen Rechtsstaat widersprechend empfunden habe, z.B. die Ortstafelfrage in Kärnten, wo die Minderheiten ihrer ihnen zustehenden Rechte beraubt wurden.

    Die Frage sei erlaubt, was das Ableben Haiders nun für die politische Landschaft in Österreich bedeuten wird? Kommt eine Wiedervereinigung mit der FPÖ und wird die Ortstafelfrage in Kärnten nun endlich gelöst?

  2. lieber oliver ich gebe dir ganz recht diese leute die du meinst sind saudumm und warscheinlich von geringer bildung . was die ortstafeln anbelangt sage ich dir wenn dieser bloede hetzeranwalt nicht waere haette es diese unnoetige diskusion gar nicht gegeben ich kenne viele kaerntner slowenen denen das voelig egal ist sie haben die gleichen rechte und pflichten wie jeder oesterreicher und das man mit krimminellen asylanten die noch dazu unser sozialsystem ausnuetzen kein mitleid haben kann ist doch verstaendtlich

  3. Hier wird es doch sehr schön demonstriert: Es ist eben sehr schwierig, vom Menschen Jörg Haider zu reden, ohne den Politiker zu erwähnen, der für menschenverachtende Politik steht. Wenn dann in manchen Beiliedskundgebungen eben gerade nicht der Mensch, sondern der Politiker in den höchsten Tönen gelobt wird und auf diese Art versucht wird, politische Aussagen widerspruchsfrei hinzustellen, da man ja aus Pietät nichts Negative dagegen sagen sollte, dann vergeht einigen auch die Pietät.

  4. Udo sagt:

    DA hast du völlig recht. Leider ist es in Österreich eine echte Krankheit, dass man auf Teufel komm raus nichts negatives über einen Toten sagen darf.

  5. hons sagt:

    Ach, hört doch alle endlich einmal damit auf, Euren Senf zu posten. Wer nichts positives zu sagen hat, der soll in den Wald spazieren gehen oder ins Kino. Wer sich zu Lebzeiten nicht positiv mit Dr. Jörg Haider – UNSEREM GESCHÄTZTEN LANDESHAUPTMANN auseinander zu setzen wusste, der soll jetzt – nach seinem Ableben – auch damit nicht anfangen. Nur um irgendwas stumpfsinniges, sensationelles zu sagen. Österreich ist eine Insel der Seligen, macht doch was Produktives, oder macht es nicht. Nur hört mit diesem Schwachsinn auf. Ein Nichtkärntner, oder jemand der Jörg nicht persönlich gekannt hat, kann doch nichts, absolut nichts über ihn sagen. Wer in der Politik tätig ist, hat zwei Gesichter; beruflich und privat. Sowie jeder andere Mensch hatte Jörg auch private Züge, sehr menschliche Seiten.

  6. Udo sagt:

    Ich werde sicher nicht aufhören, „meinen Senf“ zu posten. 😉

    Und dass er privat anders war mag sein, aber das kann und werde ich nicht in meine Beurteilung mit einbeziehen, da ich ihn nur als Politiker kenne.

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