Der Schrei nach Zensur


Ich habe mir, als von den Landtagsabgeordneten in Kärnten eine Resolution aufgrund der Haider-Satire und diverser anderer Fernsehberichte beschlossen wurde, vorgenommen, einen Artikel über diesen immer wieder auftauchenden Schrei nach Zensur, der meiner Meinung nach immer nur dann erfolgt, wenn einer Seite die Argumente ausgehen (oder sie einfach zu faul ist, welche zu suchen), zu schreiben.

Wenn man sich die erwähnte Resolution einmal genauer ansieht, dann fällt einem folgendes auf: Die Verfasser versuchen zunächst durch bewusste Verallgemeinerungen zu punkten. Schließlich ist dort immer davon die Rede, dass „alle Kärntner“ beleidigt wurden. Dass es KärntnerInnen gibt, die diese Meinung vielleicht nicht teilen, ist ausgeschlossen. Warum? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Darum!

Der Ruf nach Zensur ist in diesem Fall schlicht und ergreifend eine intellektuelle Bankrotterklärung. Man hat einfach keine Argumente gefunden und jetzt will man die Gegenseite mit einem haltlosen Angriff mundtot machen. Die ganze Aktion wirkt überhaupt so, als hätte man den Tod Jörg Haiders als willkommenen Anlass genommen, um generell auf alle kritischen Medien einzuschlagen Dabei stellt sich mir dann die Frage, wer hier wirklich pietätlos ist. Sind es diejenigen, welche die Taten eines Menschen auch noch nach seinem Tod kritisch sehen, oder vielleicht seine so genannten Parteifreunde, welche den Toten nun ausnutzen, um politisches Kleingeld zu wechseln?

Ich will mich hier aber gar nicht nur auf diesen speziellen Fall beschränken. Der automatisierte Ruf nach Zensur ist eine Krankheit, die auch in anderen Bereichen ihr Unwesen treibt. Schauen wir uns doch einmal die leidige Diskussion um angeblich gewaltverherrlichende Filme, Mmusik und Computerspiele an. Jedes Mal, wenn auf der Welt irgendetwas Schrecklliches passiert (siehe Littleton oder Erfurt), lassen die Leute, die den wahren Schuldigen in einem „satanischen“ Rockmusiker, einem Horrorfilm oder einem Computerspiel suchen. Nach dem Amoklauf in Littleton hatte sich die religiöse Rechte ja ganz besonders auf Marilyn Manson eingeschossen. Warum? Weil er der Lieblingsmusiker der Amokläufer war. Was hätten die denn getan, wenn  es sich dabei um die Beatles gehandelt hätte? Ein paar Poster von Paul McCartney verbrannt?

In Erfurt hatte es nicht lange gedauert, bis in den Medien plötzlich überall zu lesen und zu hören war, dass der Amokläufer das Computerspiel Counter Strike besessen hatte und schon gingen die munteren Mutmaßungen darüber los, ob er damit vielleicht das Töten seiner Schulkameraden trainieren wollte. Mal ganz abgesehen davon dass zwischen einem Joystick und einer Schrotflinte doch ein gewisser Unterschied besteht, kann man in solchen Spielendas Spielziel auch erreichen, ohne dass man einen Tropfen Blut vergießt. Nur macht es halt mehr Spaß mit ein paar Freunden vor der Konsole zu sitzen und sich gegenseitig „abzuschießen“. Ob man das jetzt daheim macht, oder im Tarnanzug beim Paintball durch den Wald rennt – Wo zum Teufel ist da der Unterschied? Natürlich interessiert das die selbsternannten Jugendschützer einen Dreck, wenn sie im Brustton der Überzeugung predigen, dass sie ja nur „unsrere Kinder vor dem verderblichen Einfluss solcher Spiele/Filme/Musiker schützen wollen“

 Bitte versteht mich nicht falsch: Jugendschutz ist gut und notwendig und Altersbeschränkungen müssen sein. Ich sehe es aber absolut nicht, dass ich als seit gestern 29jähriger Mann mir oft die Filme, die ich gerne sehen möchte, nur in verstümmelter Form sehen kann (obwohl es in Deutschland noch schlimmer ist als im eher lockeren Österreich), weil es ja theoretisch möglich wäre, dass ein Minderjähriger der DVD angesichtig werden könnte, oder weil es den Leuten im Geschäft oft (nicht immer) scheißegal ist, ob der Kunde 12 oder 18 ist (schon mal daran gedacht, die zu bestrafen und nicht indirekt die Kunden?). Dasselbe gilt für die Schützenvereine, bei denen sich Robert Steinhäuser völlig legal mit seinen Waffen eingedeckt hatte, bevor er in Erfurt seine Schulkollegen und Lehrer umbrachte. In der darauffolgenden Diskussion ging es dann schon gar nicht mehr um Splatterfilme oder derglecihen, nein, es wurden gleich Filme wie Fight Club oder Desperado als potentiell gewaltverherrlichend genannt! Immerhin wurde hier im Nachhinein auch das Waffengesetz verschärft.

Der Schrei nach Zensur ertönt auch immer dann, wenn die wahren Schuldigen ganz woanders zu suchen sind. Um bei meinen Beispielen zu bleiben: Jörg Haider war selbst immer gut im Austeilen, er hat mit seinen Aussagen und Taten das politische Klima in Österreich für längere Zeit vergiftet. Dennoch hat man schon zu seinen Lebzeiten bemerkt, dass er sich sofort in die Rolle des armen Opfers warf, sobald jemand zum Gegenangriff ausholte. Er war der Politiker, der in Österreich die mit Abstand meisten Prozesse wegen Beleidigung führte und zwar als Kläger gegen Journalisten, andere Politiker, Schriftsteller, etc… während er selbst nicht davor zurückschreckte, in seinen Reden auch persönlich zu werden. Dass sein BZÖ jetzt dieses Verhalten übernimmt zeigt nur, dass diese Herren eventuell unbequeme Wahrheiten nicht ertragen können und sehenden Auges lieber das Symptom (die Kritik an ihnen und ihren nunmehr toten Herren) bekämpfen, anstatt EINMAL über sich selbst nachzudenken (obwohl….eine solche Reise in ihr innere Ich würden die meisten BZÖler eh nicht überleben).

Bei der Diskussion um gewaltverherrlichende Medien ist der Fall ganz ähnlich gelagert. Anstatt länger und ernsthaft über die Ursachen für solche Wahnsinnstaten zu reflektieren, wird schnell ein Sündenbock gefunden, der an allem schuld sein soll. MIr kommt es oft so vor, als wäre es gar nicht erwünscht, nach den wahren Ursachen zu suchen. KLar, sonst müsste so mancher Politiker, der jetzt einfach „Computerspiele sind das ultimative BÖSE!“ von seinem Rednerpult aus predigt, seinen eigenen Wählern mal ein paar unbequeme Wahrheiten ins Gesicht sagen und davor haben die nicht wenig Angst, gelle? Wieviele Eltern wissen denn schon, welche Computerspiele ihr Kind zuhause spielt? Welche Filme es in seinem Zimmer (heute hat schon jedes Kind einen eigenen Fernseher und DVD-Player) schaut? Das Ergebnis einer solchen Umfrage will ich glaube gar nicht wissen.

Zensur ist nie eine Lösung, man kann mit ihr maximal die Symptome von Problemen bekämpfen, die viel tiefer liegen, als so mancher von uns glauben mag. Das BZÖ will offenbar so weitermachen, wie es sein toter Meister vorgeführt hat. Diese Leute werden niemals begreifen, dass sie in Wahrheit selber das Problem sind und nicht etwa dessen Lösung. Und bei der Diskussion um gewaltverherrlichende Medien wird nur zu gerne vergessen, dass die wahren Ursachen für solche Wahnsinnstaten nicht in den Computerspielen, Filmen oder Musikern zu finden sind, sondern bei uns. Nur ist diese Wahrheit für unsere Gesellschaft viel zu unbequem, um sie zu akzeptieren. 

 

 

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