Warum ich das Kino so liebe


Wir sitzen im Kino. Die Werbespots und Trailer sind bereits alle gelaufen, gleich beginnt der Film. Als die Leinwand schwarz wird, beginnt eine Frauenstimme zu reden, die mir sofort eine Gänsehaut bereitet: „Die Welt ist im Wandel….“

Ein paar Jahre später: Ich befinde mich diesmal in einem anderen Kino. Man sieht eine Szene mit zum Tode verurteilten Menschen, die gerade zum Galgen geführt werden. Einem nach dem Anderen legen die Henker den Strick um den Hals. Als sie schließlich bei einem kleinen Jungen angelangt sind, beginnt dieser plötzlich ein altes Piratenlied zu singen. Nach und nach fallen die anderen Totgeweihten ein und bilden schließlich einen recht einzigartigen Chor…

Die geschilderten Szenen (sie stammen aus „Herr der Ringe: Die Gefährten“ und dem dritten Teil der „Fluch der Karibik“-Trilogie) sind nur zwei Momente der jüngeren Vergangenheit, die für mich perfekte „Kinomomente“ waren. Nur: Was macht so einen Kinomoment eigentlich aus? Schließlich kann ich mir die Filme doch auch im Fernsehen anschauen, oder? Nun, wenn man diese Meinung vertritt, dann ist man gehörig auf dem Holzweg. Kino ist sehr viel mehr als nur ein etwas größerer Fernseher. So ist es in einem Kino oft mindestens genauso interessant (bei einem schlechten Film könnte es sogar sehr viel lustiger sein), seine unmittelbaren Nachbarn dabei zu beobachten, wie sie ihren Emotionen freien Lauf lassen. Bei Horrorfilmen ist das sogar ganz besonders lohnend. Da krallen sich bei den Spannungsszenen die Leute in ihren Sitzen (oder wahlweise an den daneben sitzenden PartnerInnen) fest, nur um dann in dem Moment, in welchem unser böser Killer ganz überraschend von hinten sein Opfer angreift, mit einem Aufschrei der Erleichterung ihr Popcorn in der näheren Umgebung zu verteilen. Eine Fahrt mit der Achterbahn ist nichts dagegen.

Im Fernsehen kann ein Film so eine Wirkung unmöglich erzielen und dabei rede ich nicht nur von Materialschlachten wie „Transformers“, sondern auch von (im Vergleich zu „Transformers“) eher ruhigeren Filmen wie „Walk the Line“. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon als Johnny Cash und June Carter bei einem Livekonzert mit hundert anderen Kinobesuchern auf einer riesigen Leinwand mit einer entsprechenden Soundanlage zu sehen, als daheim auf einem 52 Zoll-Fernseher. Ich liebe das Kino also vor allem deshalb, weil man dort mit anderen Gleichgesinnten Filme sehen kann, die dort (und in 99% aller Fälle würde ich sagen UND NUR DORT) ihre volle Wirkung entfalten können (außerdem gibts doch nichts schöneres, als sich mit der eigenen Freundin gemütlich in den Kinosessel zu kuscheln)!

 

Bei aller Liebe gibt es aber auch sehr negative Kinomomente. Ich hatte so einen beim dritten Teil der Matrix-Trilogie. Am Film lags nicht, der war toll. Aber als in der letzten Reihe ein pubertierenden Idiot, der den FIlm bereits gesehen hatte, aufstand, um ganz laut „UND DER NEO STIRBT AM SCHLUSS!!“ zu brüllen, wäre ich beinahe die drei Reihen nach hinten geklettert und hätte an Ort und Stelle meinen allerersten Mord begangen….

 

 

Dies war mein Beitrag für die Blogparade von SchönerDenken

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Poes_Rabe sagt:

    @Matrix3: Immer noch besser, als wenn Dir ein Idiot das Ende von „Se7en“ vorher verrät…

  2. Thomas sagt:

    Endlich ist die Blogparade online: http://schoener-denken.de/blog/index.php/darum-lieben-wir-kino/ Vielen Dank nochmal für den Beitrag!

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