Hörspielreview: Dan Shockers „Verschollen im Spukhaus“

am

Dauer: 57.40 Minuten

Vorlage: Dan Shocker
Buch: Dennis Hoffmann
Dialogregie: Dennis Hoffmann
Produktion: Wolfgang Strauss
Musik: Studio Maritim
VÖ: 31.01.2005

Rolle – Sprecher
Deborah Hancock…Pappert, Christine
Jackson Brooks…Karallus, Thomas
Nancy Wilson…Werfel, Pia
Steven Bradford…Endemann, Gernot
Sheriff Mason…Brandt, Volker
Länge: ca. 57 Min.
Nr. 3 der Reihe „Dan Shockers Gruselkabinett“

Inhalt:
Nancy und Steven haben eine Autopanne und beschließen, über Nacht ihr Zelt aufzubauen, als sie von einem Gewitter überrascht werden. Steven will bei einem Haus in der Nähe bei den dort lebenden Leuten nachfragen, ob sie vielleicht dort übernachten könnten. Er geht los, während Nancy auf ihn wartet. Da er nicht wieder zurück kommt, folgt Nancy ihm schließlich. Sie betritt das gar unheimliche Haus (zumindest wollen die knarzenden Türen uns einreden, dass es eines ist), um Steven zu suchen. Sie findet ihn nicht, hört ihn aber wie verrückt um Hilfe schreien.
In Panik rennt sie hinaus auf die Straße, wo gerade Deborah eine unfreiwillige Unterbrechung ihrer Heimfahrt aufgrund des immer schlimmer werdenden Wetters in Kauf nehmen muss. Nancy bitte sie um Hilfe, worauf Deborah ihren Mann Jackson anruft. Dieser sichert sein Kommen zu. In der Zwischenzeit gehen Deborah und Nancy noch einmal in das Haus, um Steven zu suchen. Sie machen das Zimmer ausfindig, aus dem offenbar Stevens Schreie herkommen und es ist – leer (Schockschwerenot!) Nunmehr völlig überzeugt davon, dass es in dem Haus spukt (warum sind sie das eigentlich? Die zwei könnten sich ja auch in der Tür geirrt haben…) laufen sie vor der Tür schon Jackson in die Arme. Der ist aber nicht allein, der Dorfsheriff Mason ist ihm gefolgt, da er wissen wollte, ob Jackson zu dem alten Haus fährt, um ihn notfalls davon weg zu lotsen (Tolle Begründung. Muss ja ordentlich viel los sein in dem Kaff, in welchem der Ty Dienst tut). Man macht sich also von Neuem auf die Suche nach Steven, der aber weiter unauffindbar bleibt. Man geht in eines der oberen Stockwerke.Zitat des Sheriffs: „Die Bretter hier sind sehr morsch. Ich bin kleiner und leichter, also gehe ich voraus.“ Ja, das macht Sinn, vor allem, wenn dann trotzdem alle fast gleichzeitig drübertrampeln. Natürlich bricht der Sheriff sofort ein und verletzt sich am Bein. Mit großer Mühe kann Jackson den Sheriff befreien. Währenddessen erklärt der Sheriff die Hintergrundgeschichte des Hauses. Das Haus gehörte früher einem Richter, der sich stark für die Rechte der Sklaven eingesetzt hat und der mit seiner Rechtsprechung rigoros gegen die Sklavenhalter vorgegangen ist. Irgendwann hat es denen dann gereicht und ein aufgebrachter Lynchmob hat den Richter abgemurkst.
Kurz darauf findet man Stevens Leiche (schaut laut Beschreibungen aus wie eine Wasserleiche – fragt nicht wieso, tut das Hörspiel auch nicht) und ein Bild des Richters. Dieser schaut – Oh Schreck! – aus wie Sheriff Mason. Denn natürlich ist dieser in Wahrheit der böse Geist des Richters. Es folgt eine der langweiligsten Verfolgungsjagden der Hörspielgeschichte (drei geistig minderbemittelte Vollidioten gegen einen doofen Geist mit Beinverletzung [Wie kann ein Geist sich eigentlich am Bein verletzen, sich als Sheriff verkleiden und mit nem Polizeiauto durch die Gegend fahren?]) in deren Verlauf Nancy irgendwann die Patschen strackt. Jackson und Deborah können entkommen.
Im Krankenhaus reden Jackson und Deborah nochmal über die Geschehnisse. Dabei sagt Deborah folgendes: „Ich habe herausgefunden, dass Nancy und Steven Nachfahren von Angehörigen des Lynchmobs waren (Wie eigentlich? Ist ja nicht so, dass Wilson und Bradford so seltene Familiennamen wären). Sollen wir auch die anderen Nachfahren warnen?“ Antwort des lachenden Jackson: „Wozu? Wir sind doch keine Geisterjäger! (Aber vorher im Haus voller Neugier jede Tür aufbrrechen wollen, jaja).“

Kommentar: Auweia, das war wohl nichts. Ich habe im Hörspielbereich selten eine dämlichere Geschichte gehört als „Verschollen im Spukhaus“. Und das, obwohl ich ein großer Fan von Geisterhausgeschichten und gerne bereit bin, in diesem Bereich viele Augen zuzudrücken. Nur hat „Verschollen im Spukhaus“ diese Toleranzgrenze regelrecht pulverisiert. Die Sprecher sind zwar wirklich gut, allerdings wird ihr ganzes Bemühen von dem strunzdoofen Skript erfolgreich totgeschlagen (vor allem VOlker Brandt tut mir direkt leid). Auch der SChreiber des Booklets hat sich da mal ein schönes Eigentor geleistet: Da stehen die ersten drei Sprechernamen und dann noch „und viele andere!“ Völlig klar, schließlich gibts ja insgesamt FÜNF Sprechrollen…
Denjenigen, die für die Geräuschkulisse zuständig sind, sollte man mal erklären, dass eine knarzende Tür noch keine gruselige Atmosphäre ausmacht. Auffällig ist auch, dass keinerlei Musik (bis auf den Anfangstrack) eingesetzt wird und das, obwohl gerade dieses Hörspiel es bitter nötig gehabt hätte, aufgepeppt zu werden. Denn „Verschollen im Spukhaus“ ist nicht nur total bescheuert, sondern auch noch todlangweilig. Man hätte die ganze Geschichte auch gut und gerne auf zwanzig Minuten zusammenkürzen können, ohne irgendetwas Wichtiges wegzulassen.

Fazit: Hände weg von dieser Reihe! Dan Shocker wird von mir in Zukunft nicht einmal mehr ignoriert und ich rate euch, es mir gleichzutun.

0 von 5 Punkten.

4 Kommentare Add yours

  1. Poes_Rabe sagt:

    Da unser Blogger hier mir seinerzeit beständig (um nicht zu sagen verzweifelt) versucht hat, die CD anzudrehen, auch meine 2 Cents:

    Das Ding ist in erster Linie mal eines: LAAAAAAAAAAAANGWEEEEEEEEEILIIIIIIIIIIIIIIG !!!
    Immer, wenn Du glaubst „Jetzt kommt was“ blendet man weg, und was auch immer es war, es ist nie wieder wichtig.

    Die *hüstel* Story *hüstel* plätschert völlig belanglos vor sich hin. Ich bin irgendwann mittendrunter eingenickt, nach 5-10 Minuten wieder erwacht, und hatte nicht das Gefühl, etwas wichtiges verpasst zu haben. Stell‘ Dir vor, das passiert bei „Gabriel Burns“ oder „Die Schwarzen Sonne“…

    Aber spätestens, wenn der Sheriff angibt, den Wagen der Heldinnen verfolgt zu haben, und zwar einfach so auf gut Glück, nur für den Fall, dass sie Hilfe brauchen, drischt man – nachdem man dreimal zurückgespult hat, um sich icher zu sein, dass man sich NICHT verhört hat – eh seinen Schädel gegen den nächsten erreichbaren Bettpfosten (bzw. tut das mit dem Schädel des Autors, wenn man ein cleveres Kerlchen ist), und wenn dann „das Bild sieht aus wie der Sheriff“ als die überraschendste Plotwendung des Jahrhunderts verkauft wird, schaltet das Hirn eh mehr oder weniger auf Durchzug.

    Den einzigen (unfreiwilligen) Lacher erntet das Cover mit der „und viele andere“ – Aufschrift bei gerade mal 5 Personen. Aber die hat uns‘ Udo eh gewürdigt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s