Kommentatorenlegende Sigi Bergmann über Doping im Spitzensport


Sigi Bergmann, der für den ORF mehr als ein Dutzend olympischer Spiele moderiert hat, über Doping im Spitzensport:

„Spitzensport ist grundsätzlich einfach gefährlich und absolut nicht gesund. Meine Meinung zum Thema Doping ist: Ich bin ein absoluter Gegner, denke aber, dass das notwendig ist, um zu gewinnen – und das ist einfach nur traurig. Da sind wir Sportjournalisten enorm schuld, weil wir immer weitere Steigerungen verlangen. Daher sind wir sicher mitbeteiligt.

Und als quasi pensionierter Sportreporter traue ich mir auch zu sagen: Ich glaube, die Helden von Peking waren alle gedopt und die Chinesen haben die brutalen Kontrollen unterdrückt. Ich glaube, das an der Kinnform eines Michael Phelps ablesen zu können.

Oder der 100-Meter-Lauf von Usain Bolt, bei dem er vorne weggelaufen ist und links geschaut hat, rechts geschaut hat und dabei Weltrekord erzielte. Ich kann es nicht glauben. Und auch bei Matthias Steiner im Schwergewicht – ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Ich weiß, dass es da Untersuchungen gibt und das wird alles noch einmal aufkommen.“

Quelle

 

Leider muss ich sagen: Ich glaube ihm jedes Wort. Spätestens seit den Skandalen im Radsport ist bei mir jegliche Hoffnung auf einen sauberen Spitzensport sowieso dahin. Wieso solte es bei den anderen Sportarten auch anders sein? Jedenfalls waren das mal erfrischend klare Worte von Bergmann.

6 Kommentare Add yours

  1. Das sind genau die Dinge, die jeder denkt und niemand sagen darf. Klar ist, wenn andere dopen und nicht zur Rechenschaft gezogen werden, dann hat man als Nicht-Doper keine Chance.

    Ich halte auch gar nichts von diesen ganzen simplen „höher, schneller, weiter“ Sportarten wie Rennen, Springen, Radfahren, Schwimmen… Klar ist auch bei Spielsportarten Doping ein Problem, aber hier ist eine reine Steigerung physischer Leistungsfähigkeit noch nicht gleichbedeutend mit einer Leistungssteigerung generell. Sobald der Spielaspekt wegfällt, ist für mich „Sport“ heute nichts weiter als ein Wettbewerb, wer am besten ungestraft dopt.

  2. Klaus Müller sagt:

    Warum sollte im Fußball oder anderen Sportarten mit „Spielaspekt“ weniger gedopt werden?

    Studien über deutlich höhere Laufleistungen, bei zunehmender Belastung durch mehr Spiele, sind doch längst veröffentlicht worden. Doch darüber wird in den Medien sehr wenig berichtet, ebenso wie die lausingen Kontrollen gegenüber anderen Sportarten.

    Auch der Fall Müller-Wohlfahrt im vergangenen Herbst wurde in den deutschen Medien unterschlagen. Doping betrifft leider alle Sportarten.
    Nur wird nicht über alle berichtet.

    Sigi Berkmann hat leider recht.

  3. Doping ist zwar in jedem Bereich des Leistungssports ein potenzielles Problem, aber Feinmotorik lässt sich eben nicht so gut dopen.

    Und nehmen wir als Beispiel Fußball: Selbst wenn die Kontrollen hier deutlich schlechter sein sollten als zum Beispiel in der Leichtathletik, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass bei systematischen Dopingverstößen hier praktisch nie ein Fall aufgedeckt würde – dazu ist dieser Sport einfach viel, viel zu groß! Selbst wenn die Aufklärungsquote hier nur – sagen wir – ein Hundertstel gegenüber der Leichtathletik betrüge, müssten weit mehr Fälle bekannt werden.

    Ich denke, dass die Kosten-Nutzenrechnung für Doping bei Spielsportarten (glücklicherweise) einfach nicht hinhaut. In der Leichtathletik bedeutet 1% schneller, höher oder weiter einen uneinholbaren Vorteil: 9,7 Sekunden schlagen 9,8 Sekunden, und 2,50 Meter schlagen 2,48 Meter, basta. Im Fußball gewinnt ein entsprechend gedopter Spieler vielleicht öfter mal ein Laufduell, aber dabei gibt es einfach keinen meßbaren Erfolg und schon gar keine Sieggarantie. Da lohnt sich das Risiko wohl einfach nicht. Ich vermute, dass der einzige Bereich, in dem im Fußball systematisches Doping zu erwarten ist, in der Rehabilitation nach Verletzungen anzusiedeln ist.

  4. Klaus Müller sagt:

    Rehabilitation betrifft den Fall Müller-Wohlfahrt, das ist richtig.
    Doch es es gibt noch mehr. Das im Radsport oft zitierte Blutdoping hilft den Fußballern ungemein, den hier gilt in beiden Sportarten:

    Mehr rote Blutkörper bedeuten mehr Sauerstoff. Die Ausdauer des Sportlers steigt, egal ob er nun länger schnell radfahren kann oder mehr laufen kann. Immerhin wurde festgestellt, dass die Fußballer in der Lage sind, rund 30% mehr zu laufen als noch vor etwa 15 Jahren, obwohl eine höhere Belastung durch mehr Spiele gegeben ist.

    Ein Spieler der deutlich länger laufen kann, der mehr Sprints einlegen kann, ist für eine Mannschaft unglaublich wichtig. Die Kosten/Nutzen Rechnung sieht da gar nicht so schlecht aus. Viele dieser Mittel machen übrigens agressiv und das dickere Blut belastet das Herz.

    Der Satz „Doping hilft in meiner Sportart nicht“ ist Quatsch. Sogar im Schach helfen Mittel, die helfen die Konzentration zu steigern. Und sind Mittel, die im Training Schmerzen unterdrücken oder nach der sportlichen Belastung zur schnelleren Regeneraton dienen, keine Dopingmittel?
    Wenn sie auf der verbotenen Liste stehen, dürfen sie nicht angewendet werden. Das hat seinen Grund, besonders zum Schutz der Sportler.

    Doch im Fußball gibt es so gut wie keine Blutkontrollen, sondern höchstens Urinkontrollen. Bei Urinkontrollen können viele Dopingmittel jedoch nicht nachgewiesen werden, wie die letzten Jahren gezeigt haben.
    Viele Dopingtests können „unbrauchbar“ gemacht werden, dazu reichen wenige Sekunden, die der Sportler alleine ist. Andere Mittel können im Körper durch andere Wirkstoffe kaschiert werden, ein Landis hätte bei der Tour de France nicht positiv getestet werden müssen, wenn er einen guten Arzt gefragt hätte.

    Die ärztliche Versorgung ist bei den Mannschaftssportarten gar nicht so schlecht. Warum wurden bei Fuentes nur die 60 Radsportler genannt und die Akten verschlossen als es um Fußball und Tennis ging?

    Letzte Forderung der FIFA waren Trainingskontrollen nur auf die Mannschaft, nicht auf das Team anzuwenden. Damit wären den Betrug Tür und Tor geöffnet, da einige „Behandlungen“ Monate vorher angewendet werden.

    Im Eishockey dürfen in Deutschland Spieler aus den USA nicht getestet werden. Sie brauchen keine Angst vor Kontrollen zu haben.
    Zu Beginn des Jahres wurden 9 deutsche Nationalspieler bei Trainingskontrollen nicht angetroffen, einige zum wiederholten male nicht.
    Eine ausgesprochene Sperre wurde ausgesetzt und nach Saisonende neu verhandelt. In anderen Sportarten ist so etwas nicht möglich.

    Nur weil keine oder keine wirksamen Kontrollen durchgeführt werden, bedeutet das keinen sauberen Sport. In Frankreich wurden 2006 9 Radsportler positiv gemeldet, aber 18 Fußballer. Seit 2008 werden diese Zahlen in den deutschen Medien nicht mehr genannt!

    In allen Sportarten und in allen Berufen kann man dopen, mit ist allerdings ein gedopter Handballer immer noch lieber, als ein Arzt, der Mittel nimmt, um in seiner zweiten Schicht in Folge Patienten zu operieren.

    Eine Dopingkontrolle in einer beliebigen Stadtverwaltung an einem Montag Morgen würde mehr positive Fälle bedeuten, als bei einem Tour de France Feld oder der gesamten Fußball-Bundesliga an einem Spieltag.
    Allerdings wissen diese Leute gar nicht, dass sie bei einen Test positiv wären.

  5. Udo sagt:

    So weit ich weiß gab es auch schon einige gedopte Fußballer in Amerika. Und eine Leistungssteigerung im Fitnessbereich kann auch nem Fußballer weiterhelfen sag ich mal…

  6. Worum es geht ist doch, ob in einem Sport systematisch gedopt wird, und ob es überhaupt noch möglich ist, darin ohne Doping mitzuhalten! Dass in jedem Sport Doping prinzipiell Vorteile verschaffen kann und daher immer die Möglichkeit besteht, dass Sportler dopen, das ist eine ganz andere Frage.

    Wie Klaus schreibt: Wenn man bei ganz normalen Menschen, die nie auf die Idee kommen würden zu „dopen“, Tests durchführen würde, fielen diese positiv aus. Wenn Fußballer positiv getestet werden, dann in der Regeln wegen Cannabis oder irgendwelchen Hustensäften. Ausnahmen mag es geben, aber ich bin überzeugt, dass keine flächendeckenden Verstöße vorliegen, denn die WÜRDEN herauskommen, irgendwo, irgendwann – bei diesem gigantischen Massensport! Glaubt denn jemand ernsthaft, ALLE ehemaligen Profis würden hier die Klappe halten?

    Und noch einmal: Etwas bessere körperliche Fitness hilft natürlich, aber sie macht eben nicht annähernd so viel aus wie in einer „höher, schneller, weiter“ Sportart. Hier liegt das Problem doch gerade darin, dass ein Sportler dopen MUSS, weil er ansonsten einfach gegenüber den dopenden Konkurrenten um uneinholbare Zehntelsekunden zurückfällt! Im Fußball MUSS man aber nicht dopen, und deswegen ist der Anreiz auch zu gering, das Risiko einzugehen, und insbesondere wird keine Veriensführung es eingehen.

    Doping ist ein System-Problem, und der Fehler im System ist die Art des Wettbewerbs, die minimale körperliche Leistungsvorsprünge uneinholbar macht.

    Oh, und was die von Klaus immer wieder zitierten 30% mehr Laufleistung angeht, die wundern mich nicht wirklich – in den 70ern oder 80ern waren die meisten Profifußballer einfach noch keine wirklichen Profisportler. Da wurde noch gesoffen und geraucht, wie es heute undenkbar wäre… Heute sind die Anforderungen da allgemein höher, und das Training ist viel straffer und organisierter. Wenn Spieler heute pro Partie ca. 10 Kilometer Laufleistung erbringen, was wohl so ungefähr der übliche Wert ist, dann sehe ich nicht, wieso das ein Wert ist, für den Doping erforderlich sein sollte.

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