Hörspielreview: Mitschnitt Nr. 2: „Rache“


Dauer: ca. 63 Minuten

VÖ: 13.5.2008

 

Inhalt: Bevor die eigentliche Geschichte beginnt, hören wir eine männliche Stimme, die uns verkündet, dass das nachfolgende Tondokument der Redaktion unaufgefordert zugestellt wurde. Man habe keine Ahnung, woher es komme, glaube aber, dass es sich eventuell um ein Tondokument aus den Archiven der Polizei handeln könnte. Außerdem sei man sich nicht sicher, ob darauf überhaupt eine Straftat zu hören ist (könnte ja trotz allem ein Fake sein). Während die Rechtsabteilung weiterhin fieberhaft nach der Herkunft der Aufnahme fahndet, habe man sich jedenfalls dazu entschlossen, sie zu bearbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach einem Countdown startet die Aufnahme….

Man hört als erstes die Stimme eines Mannes, der sich  den ZuhörerInnen als Walter Behrent vorstellt. Offenbar ist er aus irgendeinem Grund nervös, er beginnt seine Vorstellung mehrmals von neuem. Er erzählt dabei von seiner längst bankrotten Firma, die er schließen musste & dem Unfall, der ihn erblinden ließ. So erfahren wir erst im dritten Anlauf, wieso er diese Aufnahme überhaupt macht: Vor ein paar Jahren wurde seine Tochter entführt und die Lösegeldübergabe ging damals irgendwie schief. Jedenfalls ist sein damals achtjähriges Kind seither verschwunden und es gab für ihn keine Hoffnung, sie jemals wieder zu sehen. Bis vor einer Woche ein Vertreter für Putzmittel bei ihm an der Tür läutete. Walter glaubt, in dessen Stimme die des Entführers erkannt zu haben, der ihm damals via Telefon die Lösegeldforderung überbrachte. Da die Polizei ihm keinen Glaube schenkt, verspricht Walter dem Vertreter einen Vertragsabschluss, um ihn so ein zweites Mal in sein Haus zu locken. Walter hat in jedem Zimmer seines Hauses Mikrofone angebracht, um dass seiner Meinung nach sicher kommende Geständnis aufzuzeichnen. Außerdem hat er sämtliche Räume komplett abgedunkelt, um dafür zu sorgen, dass der Verdächtige – so wie er ja auch – die Hand nicht vor Augen sieht. Nachdem er ihn (auch mithilfe des Überraschungseffektes) überwältigen konnte, schleppt Walter den Mann in den Keller, wo er sich mit ihm einsperren will, um das Geständnis notfalls gewaltsam aus ihm herauszuholen. Womit er aber nicht gerechnet hat, ist die vehemente Gegenwehr seines Gegenübers. Und so entwickelt sich zwischen dem in der Falle sitzenden Vertreter und Walter ein Psychospiel, das sich gewaschen hat….

 

Kommentar: Lübbe Audio versucht sich mit der „Mitschnitt“-Reihe an einer neuen Art von Hörspiel. Ich muss gestehen, dass ich quasi sofort einen Faible für das Gimmick der angeblich echten „Tondokumente aus den Archiven der Polizei“ entwickelt habe. Das liegt vor allem an der wirklich guten Präsentation. Allein schon der Kerl am Anfang schafft es, die ZuhörerInnen innerhalb von einer halben Minute in die richtige Stimmung zu versetzen. Auch bei der Aufnahme selbst hat man darauf geachtet, sie nicht zu perfekt klingen zu lassen, um den Eindruck der Authentizität zu fördern. So hört sich alles leicht verrauscht und irgendwie blechern an. Eine Sprecherliste gibt es wohl aus ähnlichen Gründen nicht (soll ja schließlich alles „echt“ wirken) , wobei ich die beiden Unbekannte sehr loben muss, denn bis auf ein paar etwas hölzern klingende Stellen bringen sie ihre Rollen sehr intensiv rüber. Vor allem der Sprecher von Walter schafft es, seine Figur als jemanden darzustellen, der so etwas normalerweise nicht tun würde, der aber quasi von inneren Zwängen (seine Tochter) dazu getrieben wird.

Aufgrund der Art der Präsentation gibt es natürlich keinen Erzähler, keine Musik und auch sonst keine spektakulären Soundeffekte. Es gibt nicht einmal einen Abspann, im Gegenteil, man wird genau auf dem Höhepunkt regelrecht aus der Geschichte rausgekegelt (weil halt genau in dem Moment die Aufnahme zu Ende ist). Und das tut dem Hörspiel nur gut.

Ein kleiner Minuspunkt (verbunden mit einer Spoilerwarnung, also nicht weiterlesen und gleich zur Punktevergabe schauen, wenn ihr euch die Spannung nicht verderben wollt): Wenn am Ende (höchstwahrscheinlich) alle tot sind, woher haben die dann das Band? Ok, es kann natürlich sein, dass es ihnen jemand anders zugestellt hat und das eigentliche Aufnahmegerät nicht in unmittelbarer Nähe der beiden Protagonisten war (sonst wäre es sicher unbrauchbar gewesen). Dann hätte es halt „wirklich“ die Polizei gefunden und es jemand aus dem Archiv geklaut. BTW, ich hoffe, dass man evtl im Lauf der Zeit ein paar Hinweise bekommt, WER denn hier eigentlich die ganzen Aufnahmen verschickt….

 

Fazit: Eine schöne und innovative Idee für eine neue Hösrpielreihe! (In den nächsten Tagen kommen auch noch Teil 1 und Teil 3 dran, aber „Rache“ ist momentan mein „Mitschnitt“-Liebling).

4,5 von 5 Punkten.

 

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2 Kommentare Add yours

  1. xenon sagt:

    Ich hab mir am Wochenende Mitschnitt – Das Haus am See geholt und muss sagen, dass Lübbe da ziemlich gute Arbeit geleistet hat, die mir sehr gefiel. Aufbau und Story haben zwar ein wenig an eine Art Blair Witch Project mit hohem Krimianteil erinnert, aber die Folge war super schön gemacht. Werde wohl auch beim nächsten Mal wieder zugreifen, wenn ich weitere Folgen sehen.

  2. Udo sagt:

    Mir gefällt Rache bislang am besten, dicht gefolgt vom Haus am See. „Aufzug“ ist zwar auch ganz ok, aber ein wenig zu virhersehbar. Bin schon auf Teil 4, „Séance“, gespannt! (Gibts ja eh schon alle bei amazon).

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