Die Augustin-Verkäufer


Sie stehen bei Wind und Wetter auf der Straße, um ihre Zeitung zu verkaufen. Im besten Fall werden sie (von dem Glücksfall abgesehen, wenn ihnen die Leute was abkaufen) von den vorbeiziehenden Massen ignoriert, im schlechtesten werden sie von ihnen wildfremden Menschen angepböelt, sich doch endlich „richtige Arbeit“ zu suchen: Die Verkäufer der Obdachlosenzeitungen (in Wien ist es der Augustin und in Linz die Kupfermuckn, wie sie anderswo heißen weiß ich nicht).

Ich möchte den Leuten, die sich immer wieder über diese ach so arbeitsscheuen Verkäufer aufregen einmal folgendes ins Stammbuch schreiben: Wenn ihr glaubt, dass das so leicht wäre, dann stellt euch doch einmal für vierzehn Tage im November an Straßenecke und versucht, nur vom Verkauf des Augustin zu leben, nur um euch dabei von jedem dahergerannten Klugscheißer schräg von der Seite anquatschen zu lassen. Ich trau mich wetten, dass spätestens ab Tag 2 90% von euch zu jammern beginnen, dass es doch so bitterkalt und diese niedere Arbeit ohnehin unter ihrem Niveau wäre (und ich würde auch meine Hand dafür ins Feuer legen, dass mindestens 2 Drittel der Leute daraus gar nichts lernen und bei nächster Gelegenheit wieder lospöbeln würde).

 

 

(Eigentlich sollte dieser Artikel ja ein weiterer Absatz hier werden, aber ich hab mir dann gedacht, ich mache doch etwas Eigenes daraus)

3 Kommentare Add yours

  1. Gregor sagt:

    In der Schweiz gibt es das Strassenmagazin „Surprise“, dass ich IMMER kaufe. Ich finde es fantastisch, dass Randständige die Möglichkeit haben, sich auf die Art Geld zu verdienen, statt arbeitslos bleiben oder betteln gehen zu müssen. Die Leistung, die sie damit zudem erbringen, darf auf keinen Fall unterschätzt werden.
    Zum Glück ist der Rückhalt in der Bevölkerung gross; als letztens die SBB den „Surprise“-Leuten nicht mehr erlauben wollte, an den Bahnhöfen zu verkaufen, gab’s massenhaft Proteste und mussten die Herren Beamten schnell zurückkrebsen.

  2. Andy sagt:

    Ich habe die Kupfermuckn ein paarmal gekauft, da mir das Blattl aber nicht gefällt, stell ich mich lieber mit den Typen hin, quatsche ein wenig, schenk ihnen Tschick und Geld (nie gönnerhaft) und hatte bis jetzt noch nie den Eindruck, dass Passanten blöd reden. Sie gehen eher verschämt vorbei, was viel schlimmer ist.

  3. Udo sagt:

    @Gregor: Das ist mal ein schönes Beispiel für Zivilcourage. Bei uns in Österreich hätte ich ein wenig Angst, dass zwar alle dagegen wären, aber niemand seinen Hintern in die Höhe bekommen würde…

    @Andy: Das mit dem Wegschauen ist tatsächlich ein Problem und ich muss sagen, ich finde die Art und Weise, wie du die Sache handhabst (mit den Leuten reden und dabei nicht gönnerhaft sein) sehr sehr schön und nachahmenswert!

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