Spendensammler, Bettler & andere Leute

am

Ich habe gerade bei Frau Ami einen Artikel über das Betteln gelesen und mir dabei so meine Gedanken gemacht. Mir ist beim Nachdenken aufgefallen, dass sich meine Einstellung zu Bettlern um 180 Grad gedreht hat im Laufe der Jahre. Ganz früher habe ich manchen von denen mein Geld wirklich in den Rachen geworfen, aber das hat sich gründlich geändert und zwar nicht nur durch Artikel wie dem von Ami. Da wären zunächst einmal die ganzen alltäglichen Geschichten, die man mit ihnen erleben kann. Da hält dir schon einmal eine Frau als Beweis für die Existenz ihres schwerkranken Kindes eines jener Fotos unter die Nase, von denen du weißt, dass diese als „Beispielbilder“ in neu gekauften Brieftaschen liegen (eben weil du gerade erst ein paar SEHR ähnliche Bilder aus DEINER neuen Brieftasche entfernt hast). Oder dass die Frau, die dir vor 15 Minuten gerade noch erklärt hat, dass sie hier in Österreich niemanden kenne, der ihr helfen könne, zufälligerweise mit fünf anscheinend sehr guten Freundinnen lachend und tratschend hinter dir bei McDonalds sitzt. Nicht schlecht war auch der weibliche Möchtegernpunk, der mich gleich ne fette Sau geschimpft hat, weil ich mit ner Pizza in der Hand an ihr vorbeigegangen bin, ohne ihr was zu geben. Die war dann so ähnlich wie der Kerl, der sich mal auf der Rolltreppe fasst auf meine Zehen gestellt hat, um mir zu sagen, dass er und seine Kinder jetzt auch gerne etwas zu essen hätten (und so wie der dreingeschaut hat, habe ich wirklich fast damit gerechnet, dass er jetzt gleich von meinem Hotdog abbeißt). Das ist aber gar nichts im Vergleich zu den Leuten, die ernsthaft Kinder oft mit Gewalt zum Betteln abrichten. Mit so einem wäre ich gerne mal 10 Minuten allein.

Nach den Bettlern kommen für mich gleich die Schnorrer (ja, da gibt es einen Unterschied!). Damit meine ich nicht die „Hast du mal Feuer?“-Leutchen und auch nicht die Fremden, die mich früher (als ich noch Raucher war) ständig um Zigaretten angeschnorrt haben, die sind ja harmlos. Nein, ich meine solche Genies wie das Arschgesicht den hoffnungsfrohen Jungakademiker, der mir auf ner Studentenparty vor Jahren das Bier geklaut hat, indem er sich von hinten an mich rangeschlichen hat und dann – den Überraschungseffekt ausnutzend – von hinten seinen blöden Schnabel in meinen Pappbecher gehängt und sich ein paar Schluck von meinem Bier genehmigt hat. Auf „Und das Bier bezahlst du mir jetzt, du Trottel!“ hat er mir dann grinsend einen 1000 Schilling Schein (glaube ich) entgegengehalten (sind etwa 72€) und mich grinsend gefragt, ob ich ihm auf den Preis fürs Bier herausgeben könnte (das nicht ganz nen Euro gekostet hat – ja es war relativ billig, aber hier gings mir ums Prinzip). In nem Film wäre das eine von den Szenen gewesen, wo man nach einem Cut einen mit eingeschalteter Sirene heranbrausenden Notarztwagen hätte sehen können (und womit? Mit Recht!). Ich bin dann, da ich kein gewalttätiger Mensch bin (eine Tatsache, die ich in der Situation dauernd in Gedanken wiederholen musste), wortlos zu meinen Kumpels gegangen…

Die Spendensammler, die mit ihren Ständen Mitglieder werben und Spenden sammeln wollen, hab ich auch ganz besonders lieb gewonnen. Diese lästigen Kletten sind in meinen Augen um nichts besser als ganz gewöhnliche Bettler und Schnorrer. Versteht mich nicht falsch: Mir ist schon klar, dass Organisationen wie Greenpeace, das Kinderhilfswerk, etc… auf sich aufmerksam machen müssen, um überleben zu können. Aber die Art und Weise, wie diese Leute einem systematisch ein schlechtes Gewissen machen wollen, kotzt mich einfach an:

SpendensammlerIn (sich so postierend, dass ich unmöglich an ihm/ihr vorbeigehen kann): „Hallo, haben sie vielleicht eine Minute Zeit?“

Ich (will an ihm/ihr vorbei): „Nein, leider nicht. Darf ich mal durch?“

SpendensammlerIn (meine letzte Frage komplett ignorierend & im Brustton der gespielten Entrüstung): „Sie haben also nicht einmal EINE MINUTE für MISSBRAUCHTE KINDER/GEQUÄLTE TIERE/ARBEITSLOSE KRIEGSVETERANEN MIT HERZKLAPPENFEHLERN????“ Ich schwöre euch, wenn ich diesen oder einen ähnliche Satz noch ein einziges Mal höre, nur weil mir irgendein 18jähriger Hänfling (egal ob männlich oder weiblich) mit seiner ohnehin nur geschauspielerten Betroffenheit ein schlechtes Gewissen ob der Tatsache, dass ich nun einmal nicht reich bin und auf mein Geld schauen muss, machen will, dann ramme ich ihn/sie ungespitzt mitsamt all seinen/ihren mitgebrachten Fotomappen in den Boden!

Und zu guter Letzt wären da noch die Typen, die einem mit dubiosen Analgemethoden unser sauer verdientes Geld abschwatzen wollen. Mein erstes (und letztes) Treffen mit so einem Typen hatte ich vor ein paar Jahren. Da hat mich ein ehemaliger Schulkollege zu sich nach Hause eingeladen, um über alte Zeiten zu reden (haha, über den Witz lache jetzt noch). Wenn er mich im Verlauf des Gespräches  am Kragen gepackt und mir „Gib mir endlich dein verdammtes Geld!!!!einself!!“ ins Ohr gebrüllt hätte, dann wäre es auch nicht viel auffälliger gewesen. Die Krönung war dann, dass er – als er bemerkte, dass er mir mit seinem Angebot gepflegt den Buckel runterrutschen konnte – die Telefonnummern von all meinen Freunden haben wollte, weil das „förderlich für seine Karriere wäre“. Als ich ihm dann gesagt habe, dass ich nicht glaube, dass dies meinen Kumpels recht wäre, wenn ich einfach ihre Telefonnummern an für sie wildfremde Menschen weitergeben würde, hat er mich mit Nachdruck aus seiner Wohnung „komplimentiert“. Ok, das mag auch daran gelegen sein, dass ich sein „Beratungsgespräch“ damit torpediert habe, dass ich auf sein Angebot nie eingegangen bin und konsequent nur von unserer Schulzeit geredet habe (was er ja angeblich ursprünglich auch wollte). Was dann zur Folge hatte, dass mein Ex-Kollege immer wütender wurde und sich immer weniger in der Gewalt hatte. Am Ende habe ich dann nicht einmal mehr noch etwas zu trinken gekriegt. Tja, manche Menschen ändern sich beim Erwachsenwerden charakterlich schon sehr zum Negativen, gell Jörg?

 

 

Oh und bevor Fragen aufkommen: Ja, irgendwie reden mich solche Leute dauernd an. Anscheinend blinkt über meinem Kopf ein für mich unsichtbares Schild, auf dem in großen Leuchtbuchstaben sowas wie „Gutmütgier Trottel!“ stehen muss…. Glaubt mir, liebe Bettler  & Co: Der Eindruck täuscht…

3 Kommentare Add yours

  1. Gregor sagt:

    Ich gebe inzwischen auch prinzipiell nichts aufgrund negativer Erlebnisse.
    Einmal hab ich an der Uni oben einer Frau was gegeben, nachdem sie mir eine Geschichte erzählt hat, sie könne demnächst als Putzfrau anfangen, müsse aber bis dahin Geld für ihre Kinder haben, etc. Als ich ihr dann was gab, beschwerte sie sich, dass es nicht mehr ist. Ein paar Wochen später hat sie (mich offensichtlich nicht wieder erkennend) mich mit der genau gleichen Geschichte wieder angehauen…
    Am schlimmsten war aber ein junger Österreicher(!), der mir etwas Geld angeblich für die Bahn abgeschwatzt hat und mich dann für eine Viertelstunde verfolgt und zugetextet hat. Ich sollte ihn später woanders wiedertreffen, damit er mir das Geld zurückgeben könne. Den Teufel tat ich.
    Den Mauldieb, den du beschreibst, finde ich allerdings eher lustig, hähä.
    Mit Spendensammler hatte ich nie grosse Probleme, die lassen sich hier eigentlich immer leicht abwimmeln.

  2. Udo sagt:

    Dass man den Mauldieb beim Lesen lustig findet kann ich mir gut vorstellen. In dem Moment, in dem mir das passiert ist, hatte ich aber eher BIlder im Kopf, in denen es darum ging, wie ich sein Gesicht mit meinen Fäusten zu einer blaugrünroten Masse verarbeite. Wenn der meine Gedanken hätte lesen können – er hätte das Bier freiwillig zurück in den Becher gespuckt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s