Hörspielreview: Geisterschocker Nr. 2: Spuk im Klippenhaus


Romantruhe Audio

Dauer: ca. 46 Minuten

Sprecher:

Andreas von der Meden (Henning)

Heidi Schaffrath (Johanna)

Klaus Nägelen (Portier Klippstein)

Robert Rausch (Mann)

Buch: Romantruhe & Thomas Tippner

Regie: Romantruhe

Inhalt: In der Nähe von Lüneburg hat ein junges Pärchen eine Autopanne. Da ein heftiges Unwetter losbricht, entschließt Henning, der männliche Teil des Paares, dazu in einem unheimlich aussehenden Hotel nach einem Zimmer zu fragen. Er wird aber vom unfreundlich-mürrischen Portier zunächst abgewimmelt (Wir frühstücken mal wieder alle Klischees auf einmal ab, wie?). Johanna hört irgendwen um Hilfe schreien, was Henning gar nicht interessiert (schon mal was von unterlassener Hilfeleistung gehört, mein Freund?)  und schließlich schafft Henning es doch noch, im Hotel ein Zimmer zu ergattern. Zu ihrem (und damit auch unserem) Leidwesen stellen Henning und Johanna sehr schnell fest, dass das Hotel ein schreckliches (oder schrecklich langweiliges) in sich trägt….

 

Kommentar (Spoilerwarnung!): Ach du lieber Himmel, Verschollen im Spukhaus hat im Match um den Titel „Schlechteste Geistergeschichte seit Erfindung des Hörspieles“ echte Konkurrenz bekommen. Wie sagte es Poes Rabe so schön in seinem Kommentar zu Das Sternentor: „Der Ringrichter, der entscheidet, ob dieses oder “Verschollen im Spukhaus” das teppertste Hörspiel aller Zeit ist, ist noch nicht geboren.“ Aus diesem Duell ist soeben ein fulminanter Dreikampf geworden. Die Story selbst ist selbst für eine Gruselgeschichte an den Haaren herbeigezogen (und ich bin immerhin ein Fan von Francis Gruselserie aus den 80ern, d.h. ich bin sogar bereit, kometengroße Logiklöcher hinzunehmen, solange das Hörspiel unterhaltsam und lustig genug ist). Ohj, aprops H.G. Francis: Wenn man sich schon rückgratlos an das Schloss des Grauens anbiedert und die Handlung teilweise abschreibt, dann sollte man das auch ordentlich machen. Vergleichen wir die zwei doch einfach einmal Punkt für Punkt:

1. Ein Pärchen hat eine Autopanne? Check! 

2. Der Portier ist ein Arsch? Check!

3. Die Frau hat die erste Geistererscheinung? Check!

4. Ihr Mann glaubt ihr nicht und ist offenbar nicht imstande länger als 2 Minuten ein ernsthaftes Gespräch zu führen? Check!

5. Der Sprecher des Mannes heißt Andreas von der Meden? Check!

6. Der Portier ändert ohne ersichtlichen Grund seine Meinung und lässt die beiden doch rein? Check!

7. Ein Teil des Paares gerät in eine Falle? Check! (Im Original steigt der Mann auf eine Falltür, in der schlechten Kopie wird sie vom Portier eingesperrt).

8. Der Portier wird von den Helden als hässlicher und komischer Vogel beschrieben? Check!

 

So und jetzt fragt ihr euch sicher folgendes: Wieso ist denn „Spuk im Klippenhaus“ so mies, während „Das Schloss des Grauens“ so kultig ist? Nun dies liegt an einem weiteren Punkt, in dem die beiden Hörspiele sich gewaltig unterscheiden: Im „Schloss des Grauens“ versuchen die Chrarktere, die Hintergründe zu klären, die Ursache für die Erscheinungen zu finden und das Problem zu lösen. Sie wählen mit traumwandlerischer Sicherheit stets die dümmstmögliche aller Möglichkeiten, aber sie TUN wenigstens etwas, zum Teufel! Henning und Johanna stolpern dagegen so unbedarft dämlich durch die Geschichte, dass man ihnen eigentlich alle paar Minuten einen Tritt in ihr verlängertes Rückgrat verpassen will. Die Hinweise fallen ihnen per Zufall in den Schoß (im Original kam man wenigstens auf die Idee, die Schlosschroniken zu bemühen) und eigentlich tun die beiden genau gar nichts, um heil aus der Sache raus zu kommen. Aber glaubt bloß nicht, dass die Geister auch nur eine Spur klüger wären. Ok, das Geistermädchen hat nicht viel zu reden, aber ihr Papa (Ja, hier handelt es sich um eine Familie mit Frau und Kind, die nicht zur Ruhe kommt. Auch der Portier ist übrigens ein Geist) ist schon eine Leuchte vor dem Herrn. Im Inlay steht, dass er deshalb nicht zur Ruhe kommt, weil man ihm immer noch den Meuchelmord an Frau und Tochter zur Last legt. Das ist ja verständlich, aber dann soll er verdammt noch mal was dafür TUN!!! Um nochmal „Das Schloss des Grauens“ zu bemühen“: Dort gibt der Schlossgeist den Charakteren einen Hinweis, indem er ihnen immer wieder bei den Erscheinungen die gleiche Frage stellt: „Wo ist meine Linda?“ Womit ihnen dann klar war, dass es vielleicht recht nützlich sein könnte, herauszufinden, wer denn überhaupt diese Linda sein soll und wo man die Alte evtl. finden könnte. Hier bietet unser Geist den Helden eine nachgespielte Version des Polizeiverhörs, das sich mit „Du warst es!“ – „Nein“ – „Doch“ – „Nein“ zusammenfassen lässt und anschließend gibts nen Dialog mit dem Portier, der ihn offenbar beschuldigt hat, seine Frau in einem See ertränkt zu haben (Warum wieso weshalb? Keine Ahnung, vielleicht wollte er die Zeche prellen?)  und der sich jetzt dafür entschuldigen will (Warum wieso…ach, denkt euch den Rest!) Der Gipfel ist aber, dass unser Henning bis zum Ende nicht kapiert, dass es sich um Gespenster handelt und er versucht mit ihnen zu reden. Das wäre ja schon blöd genug (er sieht die Geister ja so weit ich mich erinnern kann, nicht einmal, er hört nur ihre Stimmen) , aber nein, die Gespenster antworten ihm auch noch mit philosophischem Geschwurbel, womit unser Held sofort überfordert ist. Irgendwann sind die Erscheinungen dann vorbei (Was weiß ich, wieso) und alles hat ein Ende.

Die Anspielungen auf „Schloss des Grauens“ sind auch sehr gekonnt reingeknüppelt…äh….eingebaut worden. Antwort von Henning auf die Ansage des Portiers dass er sich ein Zimmer aufzeichnen kann: „Wo waren sie denn als letztes Portier? Im Schloss des Grauens, mit Miesmuscheln und Dummköpfen?“ Dass der Portier hier nach dem Sprecher des Portiers im „Schloss des Grauens“ benannt wurde, ist da fast schon dezent…

Das führt mich gleich zu den SprecherInnen. Heidi Schaffrath werden vor allem Fans von Star Trek kennen, da sie in der deutschen Fassung Deanna Troi ihre Stimme lieh. Bei Andreas von der Meden habe ich persönlich das Problem, sofort David Hasselhoff vor meinem geistigen Auge zu sehen. Leider passt dies auch zu der Rolle hier, was das Hörspiel beinahe noch schlimmer macht. Ich finde es aber faszinierend, dass er sich noch immer ganz genau so anhört, wie zu „Schloss des Grauens“-Zeiten Anfang der 80er (manch anderer Stimme merkt man das Alter ja durchaus an). Schaffrath und von der Meden machen ihre Sache durchaus gut, nur leiden sie stark unter den grenzdebilen Rollen, die sie verkörpern müssen. Klaus Nägelen macht den Eindruck, dass er ja so gerne wie sein Pate für diese Rolle, Ernst von Klippstein, wirken würde. Er hat dabei nur ein Problem: Während man Klippstein den Spaß an seiner Rolle jederzeit anmerkt, vermittelt Nägelen den Eindruck, dass er nicht einmal einen Stapel Bretter spielen könnte, weil er dafür noch zu hölzern wäre. Robert Rausch kann ich nicht beurteilen, weil er sehr wenig zu sagen hat und seine Stimme wohl auch mit technischen Hilfsmitteln stark entfremdet wurde.

Noch ein Wort zum Skript von Thomas Tipnner und Romantruhe: Herr Tippner möge sich doch bitte in die Romantruhe einschließen und sich nach Afrika verschiffen lassen. Vielleicht lernt er unterwegs was ein ordentlicher Spannungsaufbau ist und wie man Dialoge schreibt, bei denen man sich nicht sofortige Taubheit wünscht. Alle gesprochenen Sätze ließen mich im Verlauf des Hörspieles verträumt an den Bohrer im Keller denken. Vielleicht kann man den Herren dann auch noch erklären, dass den Charakteren ein Motiv für ihre Handlungen ganz gut zu Gesicht stehen würde. Verflucht, wenn es wenigstens sowas blödes wie „Der Portier war in die Frau verknallt, sie wollte ihn nicht, deshalb hat er sie und das Kind umgebracht und es dann gleich seinem Nebenbuhler angehängt“ gewesen wäre. Aber nein, Papa schreit am See seine Tochter an, es kommt zu einem Badeunfall, Family ersäuft und der Portier, der die ganze Zeit im Hotel war, hat nichts besseres zu tun, als „Er wars!“ zu schreien. Und nachdem der sich dann bei dem fälschlich verdächtigten Mann entschuldigt hat, hat der nichts besseres zu tun, als sich folgendes zu denken: „Na, jetzt halten mich eh schon alle für einen Mörder…da kann ich den Portier auch gleich abstechen!“ Und setzt das auch noch in die Tat um. Ich weiß ja nicht, wies euch geht, aber ich hätte den Kerl an den Haaren zur Polizei geschleift, damit er dort erstmal seine Falschaussage revidieren kann, BEVOR ich ihn abmurkse!

Einziges Positiva: Die Geräuschkulisse wurde passabel umgesetzt.

 

Fazit: Wenn ich schon bei einem Hörspiel von Franciskowsky so dermaßen dreist abschreibe und meine Version dann so scheiße ist, dass sie den Vergleich mit dem Original keine Sekunde lang aushält, dann würde ich mir einen anderen Broterwerb suchen. Bei der Post suchen sie ja immer wieder Leute….

 

0 von 5 Punkten

 

Amazon-Link gibts links (falls ihr masochistisch veranlagt seid).

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