Mein Senf zur Abtreibungsdebatte


Die Debatte um die Fristenlösung in Österreich ist mal wieder voll entbrannt. Der Grund dafür ist, dass Kardinal Schönborn schmollt, weil es im Rathaus eine Juniläumsfeier für pro:woman (Aufgrund seiner Adresse auch als Ambulatorium am Fleischmarkt bekannt). Schließlich dürfe man so etwas – laut Schönborn – doch nicht feiern und über haupt wäre es mal wieder an der Zeit, die Fristenlösung zu diskutieren (sprich: abzuschaffen). Natürlich ist sein einziges Anliegen das Leben der Kinder. Sagt er zumindest. Denn in Wahrheit geht es hier um eine ganz andere Frage, nämlich die, dass es anscheinend immer noch sehr viele Herren gibt, die es gar nicht gerne sehen, dass die Frauen über ihren Körper selbst bestimmen dürfen. Selbstverständlich sagen diese Leute das nicht offen. Und so stellen sie sich mit Transparenten wie „Wir beten für euch“ oder auch den Evergreen „Abtreibung ist Mord!“ vor die Ambulatorien und führen sich generell so auf, als wäre ihr Heiligenschein ein bis zwei Nummer zu eng und würde die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrechen. Es ist doch ohnehin der Gipfel der Ironie, dass jemand, der wegen des Zölibates keine Kinder haben darf, glaubt den Frauen sagen zu können, was sie mit ihren Sprößlingen machen sollen. Ich will an dieser Stelle gar keine Worte mehr verlieren und stattdessen lieber mit einem alten Lied schließen (an das mich dieser Blogeintrag hier erinnert hat):

 

Die oide Engelmacherin:

 

 

P.S.: Wenn ihr mal Lust habt, euch einen Haufen armer Irrer anzusehen, dann fahrt doch mal zum Fleischmarkt und stellt euch einen Tag lang vor das Ambulatorium. Die Chance, dass ihr ein paar Fundis mit Transparenten zu Gesicht bekommt, ist wohl als relativ hoch einzuschätzen.

 

Mehr dazu gibts auch hier.

6 Kommentare Add yours

  1. Es gibt keine „Abtreibungsdebatte“ mehr; worüber aber endlich breit zu debattieren ist, ist die Zuordnung des rechten Stellenwertes jener, die nach wie vor der Meinung sind, ihre Meinungen sektiererisch allen aufdrängen zu können, und, leider, daß diesen immer noch ein hoher Stellenwert zuerkannt wird: http://bernhardkraut.wordpress.com/2009/08/28/orf-und-religion-alles-rein-alles-sauber-bet-nur-brav-mit-vaterchen-im-bettchen-zum-jesulein/

    Gestern, als die Christen von der Karlskirche losmarschierten, neben Herrn Laun auch gesehen Herrn Ewald Stadler vom Schaft BZÖ in diesen Reihen. Das ist die gefährliche Verbindung: extrem Heimatliche und extrem Religiöse.

  2. Stefan sagt:

    Frauenrecht auf Abtreibung meint Menschenrecht mit legalisiertem Tötungsrecht. Das ist Teil der gegenwärtigen „Kultur des Todes“.

    So ist das Recht auf Selbsttötung (z.B. in Form des begleiteten Suizid) in „aufgeklärten“ Kreisen bereits akzeptiert und wird sich vermutlich auch in Österreich durchsetzen.

    Und selbsternannte „Humanisten“ wie Richard Dawkins fordern obendrein, dass Eltern eine christliche Erziehung ihrer Kinder verboten werden soll – damit die Kultur des Todes von klein auf eingerichtet wird.

    In meiner Generation wird sich das nicht mehr durchsetzen, und ich werde meine Kinder weiterhin zur Wachsamkeit und Sensibilität im Hinblick auf den schleichenden Aufbau einer totalitären Gesellschaft erziehen.

    In diesem Sinn – null problemo.

  3. Udo sagt:

    @BERNHARD: Stadler ist ja auch Mitglied der berühmten Piusbruderschaft, gegen die ja selbst Kurt Krenn einen liberalen Eindruck gemacht hat. So chließt sich dann gewissrmaßen der Kreis.

    @Stefan: „Kultur des Todes“? Sorry, aber da kann ich nur den Kof schütteln…

  4. stefansleben sagt:

    @Udo
    Schon mal von Benedikt XVI. gehört? Oder lebst du in Erdlöchern😉

    1. Udo sagt:

      „Kultur des Todes“ ist dennoch eine sehr fragwürdige Formulierung.

  5. Stefan sagt:

    Es ist eine sehr treffende Formulierung, die der Papst regelmässig benutzt, wenn es um die Benennung der Zustände einer Gesellschaft geht, die das Recht auf Leben Schritt für Schritt abbaut.

    Benedikt XVI. spricht dabei (noch) nicht von einer totalitären Gesellschaft. Allerdings ist die Gefahr eines totalitären Systems immer dann gegeben, wenn lebensverachtende Regeln und Gesetze unter Anwendung von immer mehr Druck auf Andersdenkende durchgesetzt werden, und die obengenannten Beispiele sind klare Indikatoren:

    – humanistische Manifeste, die die Erziehungsrechte von Gläubigen einschränken wollen
    – der Ruf nach unbegrenzter Abtreibung (also nicht nur in den ersten 3 Monaten)
    – das Recht auf Selbsttötung in Form des begleiteten Suizids (nach Schweizer Vorbild aus den Menschenrechten (!!!) abgeleitet, siehe http://www.dignitas.ch)

    Die Schweizer Gesellschaft (Dignitas) besitzt noch dazu die Chuzpe, den Heiligen Thomas Morus als Zeugen ihres Anliegens zu benutzen: Die ethische Verrohung und Lüge in Europa ist weit fortgeschritten, und wird von der jüngeren Generation praktisch nicht bemerkt.

    Dass es beispielsweise in der Frage der Abtreibung medizinisch indizierte Fälle gibt, die diesen Eingriff in jeder Hinsicht rechtfertigen, steht ausser Streit. Mehr zu diesem Thema hier: http://zeitzubeten.org/2009/09/06/gedenktag-der-mutter-teresa-von-kalkutta/

    Meine Stimme zu diesen Fragen soll nicht verbittert wirken, aber klar und unnachgiebig in der Sache sein: Es gibt zu wenig Menschen, die in Zusammenhängen denken und ihre Einsichten deutlich vertreten.

    Nicht alle Menschen werden Kraft aus einem freudigen und positiven christlichen Glauben ziehen können, das ist klar: Aber wenn die Missachtung des Lebens und der Erziehungsrechte zu weit geht, ist das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft zunehmend gefährdet.

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