Das schwarze Desinteresse an der Bildungspolitik

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Er weiß es selbst noch nicht. Diese Antwort erhält man derzeit, wenn man ÖVP-Chef Pröll fragt, wer denn nach dem nach Brüssel abgewanderten Johannes Hahn neuer österreichischer Wissenschaftsminister werden soll. Schon klar, dass Hahn nach Brüssel geht, wissen wir ja auch erst seit gestern, nicht wahr? Über dieses Desinteresse an der österreichischen Bildungspolitik kann man doch nur den Kopf schütteln.  Das Problem hierbei ist nämlich, dass weder Wissenschafts- noch Unterrichtsministerium alleine handeln dürfen (es muss jeder Beschluss mit dem Gegenüber abgestimmt werden) und so hat man wohl eine bequeme Methode gefunden, ein rotes Ministerium zu lähmen. Von der (von der Unterrichtsministerin gewünschten) Vergrößerung des Schulversuchs „Neue Mittelschule“ von 10 auf 20% der Klassen (wogegen die ÖVP ja durchaus ganz gute Argumente hätte, z.B. dass man erstmal die bereits vorhandenen Schulklassen evaluieren sollte) bis hin zum dringendst zu reformierenden LehrerInnendienstrecht – die gesamte Bildungspolitik ist zum Stillstand gekommen. UNd warum? Weil die ÖVP entweder zu lahmarschig ist, um eine neue Ministerin/einen neuen Minister zu ernennen, oder weil sie so ganz bequem alles blockieren kann, was ihr nicht gefällt. Wenn es das Wort „Bärendienst“ noch nicht gäbe, man müsste es nun glatt erfinden.

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  1. Kurt sagt:

    Obwohl in der österreichischen Bildungspolitik eine gewisse
    Bewegung zu erkennen ist, stellt sich die Frage, ob etwas
    Nachhaltiges dabei entsteht, das zu einer Verbesserung des
    Bildungssystems führt.
    Aktuell lassen sich bescheidene Ansätze einer Qualitätskontrolle
    im österreichischen Schulwesen erkennen, endlich
    besteht die Aussicht, dass mittels externer Maßstäbe festgestellt
    wird, ob die Schülerleistungen bestimmten Standards
    entsprechen und dass bei Mängeln Maßnahmen gesetzt werden.
    Es besteht Hoffnung, dass Schuldirektoren das Recht
    und die Macht bekommen, die erforderlichen Maßnahmen
    auch gegen den Widerstand von Lehrern, Eltern und Schülern
    durchzusetzen. Und selbst mit Konsequenzen rechnen müssen,
    wenn vorgegebene Standards nicht erreicht werden. Endlich
    scheint die ohne Zweifel wichtige Diskussion über die Vorteile
    der einzelnen Schulformen nicht mehr das einzige Thema zu
    sein. Die Einsicht, dass Ergebnisse in jeder Schulform erzielt
    werden können und müssen, bekommt auch ihren angemessenen
    Raum. Schulen erhalten Aufforderungen, der Qualitätssicherung
    größere Aufmerksamkeit zu widmen, doch bis
    zu einem funktionstüchtigen Qualitätssicherungssystem ist der
    Weg noch weit. Alle Korrekturen werden nur empfohlen, die
    Durchführung ist freiwillig, eine externe Kontrolle steht vage
    im Raum, nachhaltige Konsequenzen sind nicht vorgesehen.
    Das Niveau der Schüler ist ohne Zweifel ein entscheidender
    Faktor, der über die Zukunft des Landes entscheidet.
    Die meisten jungen Menschen in Österreich sind interessiert,
    aber häufig durch die jeweilige Schule, in der sie sich befinden,
    entweder unterfordert oder überfordert. Neuerdings
    wird auch das mangelnde Verständnis für die Talente der Jungen
    beklagt, während gleichzeitig zu viele die Kulturtechniken
    Lesen, Schreiben und Rechnen nur mangelhaft beherrschen.
    Sind Österreichs Schulen oder Österreichs Schüler schlechter
    geworden? Wird es bei den Ergebnissen des nächsten
    PISA‑Tests wieder viele Ankündigungen geben, denen kaum
    Taten folgen?
    „Ein Stück Bildung zum Mitnehmen , bitte! ISBN: 978-3-99003-051-6
    Veröffentlichung: 01/2010 SW-Abbildungen Novum Verlag
    http://www3.novumverlag.at/
    In diesem Buch finden Sie die Antworten auf aktuelle Herausforderungen der österreichischen Bildungspolitik.

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