„Jud Süß“ kein Propagandafilm


Laut einem ungarischen Gericht handelt es sich bei „Jud Süß“ um keinen Propagandafilm. Das Gericht befand in seinem Urteil, dass der Film keinen „ideologischen Inhalt“ habe und seine Vorführung keine politische Veranstaltung sei.

Bitte was? Ein Film, in dem das Judentum als existenzielle Bedrohung der „arischen“ Gesellschaft dargestellt wird und von dem Joseph Goebbels selbst gesagt hat, er wäre „ein antisemitischer Film, wie man ihn sich nur wünschen kann“, hat also keinen ideologischen Inhalt? Hochinteressante Interpretation, das muss ich schon sagen. Hat da jemand im Gericht viellecht die DVDs vertauscht und den Richtern Heidi vorgespielt, oder was?? Da zeigt jemand einen solchen Film in der Budapester Zentrale seines Arbeitgebers ohne diesen vorher zu fragen, wird dafür (zurecht!) gefeuert und bei der anschließenden Klage kommt dann so ein Urteil raus? Es würde mich wirklich interessieren, wie das geschehen konnte. Eigentlich sehe ich da nur zwei Möglichkeiten:

1. Die zuständigen Leute sind einfach zu blöd, um einen Film richtig zu analysieren und interpretieren. Dann sind sie bei so einem Prozess völlig fehl am Platz.

2. Die zuständigen Leute halten das, was in „Jud Süß“ gezeigt wird für die Wahrheit. Dann gehören sie nicht auf den Richterstuhl, sondern auf die Anklagebank nach diesem Urteil.

Wenn dieses erstinstanzliche Urteil bestehen bleibt, dann können unsere Nazis in Ungarn wahrscheinlich bald Kinoveranstaltungen mit „Filmperlen“ wie „Hitlerjunge Quex“, „Opfer der Vergangenheit“, „Heimkehr“ und eben „Jud Süß“ feiern. Dabei wird man ständig Leute sehen, die sich gegenseitig „drei Bier bestellen“. Gleich kotze ich.

10 Kommentare Add yours

  1. Poes_Rabe sagt:

    Du weißt schon, dass Ungarn kein Verbotsgesetz hat…?

    1. Udo sagt:

      Schon, abner zu sagen, der FIlm hätte keinen ideologischen Inhalt und ist deshalb kein Propagandafilm, ist schon ein wenig blind. Und dass der Arbeitgeber sowas gerne vorher gewusst hätte, kann ich schon nachvollziehen.😉

  2. Wo kann ich mir den Film denn einmal anschauen, um es selbst zu beurteilen?

    Zum Meinungsbildungsprozess gehört das dazu.

    Es sei denn, man bildet sich seine Meinung immer vom Hörensagen aus dem Munde Dritter, die es vielleicht auch aus dem Munde Dritter haben, die es vielleicht auch aus dem Munde Dritter haben, die es vielleicht auch aus dem Munde Dritter haben,…

    1. Udo sagt:

      Die Dokumentation „Deutschland erwache“ aus den 60er oder 70er Jahren behadnelt die Propagandafilme aus Goebbels Filmschmiede. Anhand der dort gezeigten Ausschnitte von „Jud Süß“ kann man sich durchaus eine quailifizierte Meinung zu dem Film bilden: http://www.amazon.de/Deutschland-erwache-Erwin-Leiser/dp/B00063IQYI/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1299274065&sr=1-1

  3. Was mir auffällt: Wenn ich nach dieser Angelegenheit google, dann finde ich viele Dutzende Einträge, die ALLE die selbe Meldung im Wortlaut zitieren.

    Jetzt frage ich mich: Wer hat diese Meldung erstellt? Wer hat die Urteilsbegründung dieses ungarischen Gerichts zusammengefasst und übersetzt?

    Bevor ich darüber spekuliere, warum ein Gericht „Jud Süß“ nicht als Propagandafilm mit ideologischem Inhalt wertet, halte ich zunächst einmal Zweifel daran für angebracht, dass es diesen Sachverhalt auch tatsächlich so formuliert hat. Wenn die Aufführung dieses Films in Ungarn generell nicht verboten ist, dann hat das Gericht über diese Dinge schließlich gar nicht zu befinden, um zu seinem Urteil zu gelangen, sondern nur darüber, ob hier jemand in einer Weise gegen seine Pflichten als Arbeitnehmer verstoßen hat, die seine Entlassung rechtfertigt. (Und das nach ungarischem Recht, nicht nach deutschem oder österreichischen.)

    1. Udo sagt:

      Ich hab die Meldung beim österreichischen Rundfunk gesehen. Auch wenn ich wahrscheinlich nur die selben Meldungen gesehen habe wie du, vertraue ich denen so weit, dass die Nachricht mit SIcherheit glaubwürdig ist.

  4. Michael sagt:

    Noch eine Anmerkung: Jud Süß hat nichts mit dem Verbotsgesetz zu tun. Er darf zwar in Deutschland nur mit Kommentaren vorgeführt werden – aber nicht wegen dem Verbotsgesetz, sondern weil das der Rechteinhaber so will. In Österreich gilt diese Einschränkung nicht und man darf den Film in jedem beliebigen Kino zeigen.

    Darüber hinaus: „Jud Süß“ war in den 40ern sicher ein großer Propaganda-Wurf. Kann mir aber kaum vorstellen, dass davon heute noch irgendwas übrig ist.

    Diese ganze Antifa-Marotte, dass Filme wie „Jud Süß“ oder „Der ewige Jude“ und Bücher wie „Mein Kampf“ nicht gezeigt oder gelesen werden dürfen halte ich für vollkommen absurd. Kein Mensch wird ein Nazi weil er „Mein Kampf“ liest und niemand wird Antisemit weil er „Jud Süß“ sieht. Viel mehr ist das Gegenteil der Fall.

    @Klaus-D. Endrulis: „Jud Süß“ gibts z.B. im amerikanischen Amazon zu kaufen (Jud Suss: Holocaust Studies Series). Und natürlich im Internetz.

    1. Udo sagt:

      Dass Jud Süß nichts mit dem Verbotsgesetz direkt zu tun hat, ist natürlich richtig. ICh bin im übrigen auch dafür, dass man diese DInge enttabuisiert, indem man zum Beispiel Lesungen und Filmvorführungen mit anschließender Analyse (die z.B. den FIlm auch ruhig unterbrechen darf) abhält. Zu „Mein Kampf“ fällt mir übrigens die Lesung von Serdar Somuncu ein: http://www.amazon.de/Liest-aus-Tagebuch-Eines-Massenm%C3%B6rders/dp/386604156X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1300070923&sr=8-1
      So etwas ist also durchaus möglich.

  5. Danke. Ja, Michael ich stimme Dir zu.

    Alles was zensiert, indexiert und verboten wird, wenn es sich um politische Inhalte dreht, macht mich skeptisch, denn es ist nichts anderes als die Bücherverbrennung mit modernen Methoden.

    Als ich die Nürnberger Prozesse sah – auf Youtube – gekürzt, geschnitten, die Angeklagten bedroht, eingeschüchtert, da sah ich die reine Siegerjustiz! Propagandafilme nichts anderes! In einem angloamerikanisch besetztes Land, kein Wunder.

    Ich habe keine Sympathie für die NAZIS, da sie auch meine Glaubensgeschwister – ich bin Christ – reichlich verhaftet und umgebracht haben. Aber diese permanent verarschende Siegerpropaganda und deren Kultur lehne ich ab und ebenso, dass sie mit ihrer Regierung unser Land zerstören wollen.

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