Die Zeugen Jehovas haben es geschafft. Sie sind – wofür sie bereits seit 1978 gekämpft haben – nun in Österreich eine offiziell anerkannte Religionsgemeinschaft. Damit können sie unter anderem Religionsunterricht an Schulen abhalten und Kirchenbeiträge einheben.
Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung wie ich dazu stehen soll. Zum Einen ist die Einstellung der Zeugen Jehovas zu „Blutgebrauch“ (also Transfusionen, etc…) und zur Naturwissenschaft (und hier vor allem – wen wunderts – zur Evolutionstheorie) von normal denkenden Menschen rundweg abzulehnen. Andererseits: Es kann doch jeder den Glauben ausüben, den er ausüben will, solange daraus keine Gefahr für andere Menschen resultiert (Ausnahme: Wenn sie die Bluttransfusionen auch für ihre Kinder ablehnen). Problematisch wird es allerdings, wenn die Zeugen Jehovas beispielsweise auf den Trichter kommn sollten, zu fordern, dass an den Schulen – wie in den USA – die abstruse „Intelligent Design“ -Theorie gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie als ernsthafte wissenschaftliche These unterrichtet weden soll. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie das – wenn sie erstmal „ihren“ Religionsunterricht an den Schulen etabliert haben – durchaus machen könnten (die Gefahr würde hier nicht nur von den Zeugen Jehovas selbst ausgehen, sondern auch von erzkonservativen Kreisen, die dann eventuell auf diesen Zug aufspringen könnten).
Ich bin in dieser Sache ziemlich zwiegespalten. Einerseits liegt es mir fern, über den Glauben anderer Menschen herzuziehen, andererseits bin ich der Meinung, dass man vor allem auf den Religionsunterricht, den die Zeugen Jehovas jetzt ja abhalten dürfen, ein wachsames Auge haben sollte.
Zum Abschluss noch etwas zum Thema Intelligent Design und Kreationismus. Wenn ihr euch wirklich näher mit der Sache befassen wollt, dann schaut euch die „Why do people laugh at creationists„-Videos auf youtube an…


11 comments
Comments feed for this article
Mai 8, 2009 um 7:05
Die Zeugen Jehovas – Eine späte Anerkennung « POLILOG
[...] wie mir gerade mein Feedreader verraten hat, hat gestern Nacht auch Der alltägliche Wahnsinn einen Beitrag darüber geschrieben. Besonders gespannt bin ich auf den angekündigten Blogeintrag [...]
Mai 8, 2009 um 8:02
petersemenczuk
Wen Gott der Herr und sein Christus, NICHT anerkennt,
dem nützt es nicht auf der Erde und in der Ewigkeit,
wer ihn auf Erden anerkannt hat!
Gottes Kinder und Christenmenschen,
wurden und werden immer von Gott selber gemacht und
Nicht von anmaßenden und selbstberufenen Menschen,
die ihre eigenen Ziele und Vorteile auf Erden verfolgen.
Mai 8, 2009 um 9:03
Umfrage zu den Zeugen Jehovas « Der alltägliche Wahnsinn
[...] Umfrage, Zeugen Jehovas Ich stelle mal wieder eine Umfrage rein. Finde ihr es gut, dass die Zeugen Jehovas jetzt eine offiziell anerkannte Religionsgemeinschaft sind in [...]
Mai 9, 2009 um 4:16
Oliver
Ich muss zugeben, ich finde es grundlgegend falsch, die Zeugen Jehovas als Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Eine Glaubensgemeinschaft mit zweifelhaftem Verhältnis zum Rechtsstaat, da sie aus der Bibel lesen „Du sollst Gott mehr gehorchen als Menschen“, die Verweigerung notwendiger Operationen, Bluttransfusionen, künstlicher Beatmung (unreine Luft), etc hat für mich Züge einer Sekte.
Wenn ich mir nun vorstelle, dass die Zeugen Jehovas nun Religionsunterricht mit ihren eigenen Lehrern in den Schulen abhalten können…. Da muss man genau drauf achten, was sie unterrichten.
Juli 3, 2009 um 1:26
Andreas
Hallo Oliver!
Bin durch Zufall auf deinen Kommentar gestossen,und würd dir gern eine Antwort darauf geben..ich bin zwar momentan kein Zeuge Jehovas,aber schätze die Bibel und ihre Prophezeiungen sehr hoch ..
Was du hier schreibst „du sollst Gott mehr gehorchen stimmt aber von Verweigerung notwendiger Operationen oder künstlicher Beatmung hab ich noch Nie etwas gehört-also das bezeichne ich als absolutes Gerücht..
Bluttransfusionen-darüber kann man ewig diskutieren,aber eines ist sicher,dass dadurch das Zeugen Jehovas Bluttransfusionen ablehnen,die
Medizin und die Ärzte sehr grosse Fortschritte machten,die sie sonst sicher nicht gemacht häten oder in diesem Zeitraum..heutzutage ist es dadurch
möglich Operationen am Herzen durchzuführen ohne Bluttransfusionen..
ausserdem mussten die Ärzte auch viel genauer arbeiten,um nicht unnötige Blutungen hervorzurufen..und bessere Operationsmethoden entwickeln..was schliesslich allen zugute kommt..schliesslich und endlich ist es die Entscheidung des Einzelnen,ob jemand eine Bluttransfusion annimmt oder nicht..und es können zudem von medizinischer Sicht auch Krankheiten übertragen werden durchs Blut und es kann einem kein Mensch garantieren,daß nichts übertragen wird,dass wurde den Leuten auch garantiert,die durch Blut HEpatitis z.b. oder Aids bekommen haben..
Eins noch..zu dem Punkt du sollst Gott mehr gehorchen usw..
Das ist ein Text aus Apostelgeschichte 5:29 und bezieht sich überhaupt nicht darauf,den Regierungen nicht zu gehorchen und nur Gott..sondern
auf die Predigttätigkeit der Apostel damals (ja die Apostel gingen von Haus zu Haus und von Tür zu Tür)der Text beginnt eigentlich schon bei 5:27….Sie brachten sie also herbei und stellten sie in den Saal des Sanhedrins.Und der Hohepriester befragte sie und sprach:“Wir haben Euch Ausdrücklich befohlen,nicht mehr weiter aufgrund dieses Namens(Jesus bzw Gottes Name) zu lehren,,und dennoch,seht,ihr habt
Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt,und ihr seid entschlossen,das Blut dieses Menschen über uns zu bringen.“Als Antwort sagten Petrus und die anderen Apostel:“Wir müssen Gott,dem Herrscher,mehr gehorchen als den Menschen.Der Gott unserer Vorväter hat JEsus auferweckt,den ihr ums Leben gebracht habt,indem ihr ihn an einen Stamm hängtet..(lt kath. Kirche Kreuz aber mir persönlich war das immer egal ob Jesus an einem Stamm oder einem Kreuz für uns starb..nur die Verehrung des Kreuzes ist
auf keinen Fall richtig,sich hinknien vor einem geschnitzten Bild..
das geht schon in den 10 Geboten Sehr deutlich hervor…2.Mose 20:4-6
Mai 9, 2009 um 9:01
andi08
Ich selber bin kein Zeuge Jehovas, interessiere mich aber für die Religionsanerkennung von neuen religiösen Bewegungen in Europa; die Zeugen Jehovas nehmen darin eine Vorreiterrolle ein. Mit aberwitzigen Behauptungen und heraus zögernden Taktiken wurde ihnen die Anerkennung in verschiedenen europäischen Ländern z.B. Österreich verweigert. Doch die Zeugen Jehovas sind beharrlich und haben den Rechtsweg beschritten und in vielen Gerichtsurteilen Recht bekommen. Österreich hat jetzt mehrmals vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die Zeugen Jehovas verloren; Griechenland, die Russische Föderation und Frankreich kann sich einschließen. In Deutschland dauerte es „nur“ 15 Jahren, bis der Senat von Berlin am 13. Juni 2006 die Zeugen Jehovas als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt hatte. Den Verwaltungsgerichten und dem Bundesverfassungsgericht in Deutschland standen Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen zur Verfügung. Insgesamt ist Beweismaterial im Umfang von weit über 16 Leitzordnern gesichtet worden.
- Endbericht der Enquete-Kommission “Sogenannte Sekten und Psychogruppen” des Deutschen Bundestags
- Rechtsprechung in familienrechtlichen Verfahren mit Bezug zu Zeugen Jehovas
- Kinderpsychologische Gutachten aus Sorgerechtsverfahren
- Anfrage bei der Berliner Sektenbeauftragten
- Anfrage bei allen Jugendämtern Berlins
- Aussteiger-Berichte
- Berichte von Betroffenen- und Elterninitiativen
Übrigens hat die hessische Landesregierung am 27. April den Zeugen Jehovas den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zugebilligt.
Selbst die Türkei, in der die Menschenrechte nicht weit oben stehen, hat die Organisation der Zeugen Jehovas registriert und de facto als Religionsgemeinschaft anerkannt. Dies wurde möglich durch eine Entscheidung des Obersten Gerichts der Türkei, der am 17 Mai 2007 entschied, dass die Organisationssatzung der Zeugen Jehovas mit der türkischen Verfassung vereinbar ist.
Wer jetzt angesichts der Fakten der Anerkennung der Zeugen Jehovas in Österreich, Türkei, Berlin und Hessen irritiert ist, sollte mal die jahrelange negative Berichterstattung der Medien und Sektenkritikern über die Zeugen Jehovas hinterfragen.
Scheinbar fällt es uns leichter eine kritisierte Gruppe, in dem Fall eine neue religiöse Bewegung(Zeugen Jehovas), die nicht so recht in unser Weltbild passt, zu hinterfragen als Derjenige der sie kritisiert.
Mai 9, 2009 um 1:46
Udo
@Andio8: Woher kommt denn dein Interesse für die Anerkennung von neuen religiösen Bewegungen in Europa? (Das frage ich mich auch deshalb, weil dein Blog ja „Scientology: Mythos vs Fakten“ heißt) . Außerdem würde mich interessieren mit welchen „aberwitzigen Behauptungen“ den Zeugen Jehovas denn die Anerkennung bisher verweigert wurde.
@Oliver: Und genau das ist das Problem. Wie will man den Unterricht denn kontrollieren?
Mai 9, 2009 um 2:35
Poes_Rabe
„…solange daraus keine Gefahr für andere Menschen resultiert.“
Genau DAS ist ein Problem:
Wenn die Zeugen bei sich selbst Bluttransfusionen, künstliche Beatmung usw. ablehnen, dann ist das ihre Sache. Aber: Sie lehnen sie auch bei ihren KINDERN ab, die bei einer solchen Entscheidung ja von den Eltern abhängig sind.
(Einen entsprechenden Fall gab’s in .at vor ca. 15 Jahren oder so: Ein Kind starb, weil die Eltern die Bluttransfusion verweigerte.)
Mai 9, 2009 um 2:48
Udo
Da hast du allerdings recht. Werd das noch kurz in den Artikel schreiben.
Juli 10, 2009 um 3:46
Knut
Ich bin sowieso dagegen, dass in der Schule Religionsunterricht durch religöse Gruppen abgehalten wird. Das kann jede Gemeinschaft für sich regeln, in der Schule sollte es nur ein Fach „Ethik/Religionskunde“ geben, in denen ÜBER die verschiedenen Religionen, ihre Grundlagen und Ideen informiert wird.
August 8, 2009 um 11:49
Massentaufe der Zeugen Jehovas « Der alltägliche Wahnsinn
[...] } Meine Meinung zu den Zeugen Jehovas habe ich hier ja schon geschrieben, daher nur kurz was zur heutigen Massentaufe: Man mag von ihnen halten was man [...]